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Wochenarbeitszeit: Geregelte Arbeitszeiten waren gestern

  • Magazin
  • 04.01.2016

Von neun bis fünf – früher ein üblicher Arbeitstag – sitzt heute kaum noch jemand im Büro. Viele arbeiten abends oder auch am Wochenende. Doch welche maximalen Arbeitszeiten sind heutzutage eigentlich zulässig?

Was vor zehn Jahren noch undenkbar war, ist heutzutage Realität: Von neun bis fünf arbeiten, das war einmal. Viele Menschen fangen später an, arbeiten abends oder am Wochenende. Was für Selbstständige normal ist, wird nun auch für Arbeitnehmer Alltag. Doch wenn man sich schon den Abend um die Ohren schlägt: Wie viele Stunden darf man eigentlich arbeiten? Denn die Zeiten, in denen 35 oder weniger Stunden pro Woche gearbeitet wurde sind lange vorbei.

Wie viele Stunden darf eigentlich gearbeitet werden?

Offiziell ist die Wochenarbeitszeit im Durchschnitt zwar von 38,2 Stunden im Jahr 1992 auf 35,3 Stunden (2014) gesunken, doch trügt der Schein. Wie das Statistische Bundesamt im Rahmen der Studie „Qualität der Arbeit – Geld verdienen und was sonst noch zählt“ auch veröffentlichte ist, dass inzwischen 28 Prozent der Erwerbstätigen lediglich einem Teilzeitjob nachgehen. 1992 waren es nur 14 Prozent.

Jetzt zur anderen Seite der Medaille: Jeder achte Vollzeitbeschäftigte arbeitet mehr als 48 Stunden pro Woche. Nach internationaler Konvention, so betont das Statistische Bundesamt, sei die Arbeitszeit in dem Fall „überlang“. Im Wortlaut heißt es: "Dabei können zu lange Arbeitszeiten belastend sein, weil nicht genügend Zeit für das Privatleben zur Verfügung steht."

Ungewöhnliche Arbeitszeiten

26 Prozent aller Erwerbstätigen arbeiten regelmäßig in der Zeit von 18 bis 23 Uhr, so das Statistische Bundesamt. 1992 waren es nur 15 Prozent. Doch fallen darunter nicht nur Selbstständige: Auch bei Arbeitnehmern liegt der Wert bei 24 Prozent (1992 noch bei 13 Prozent). Im Jahr 2014 arbeiteten 26 Prozent der Erwerbstätigen samstags, 1992 taten dies nur 20 Prozent. Auch sonntags wird mehr gearbeitet: 10 Prozent aus dem Jahre 1992 stehen aktuellen 14 Prozent gegenüber.

Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) legt in öffentlich-rechtlicher Hinsicht die Höchstgrenzen der zulässigen Arbeitszeiten fest. Nach $ 3 S. 1 ArbZG darf die werktägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten. Laut ArbZG gelten als Werktage allerdings Montag bis Samstag. In Kombination mit dem Grundsatz der Sechs-Tage-Woche ist also abzuleiten, dass eine 48-Stunden-Wochen zugelassen ist. Das ArbZG geht von einer maximalen Arbeitszeit von 2.304 Stunden jährlich aus. Die festgelegte tägliche Arbeitszeit darf ausnahmsweise ($ 3 S. 2 ArbZG) auf maximal zehn Stunden verlängert werden. Dies ist allerdings nur möglich, wenn die Mehrarbeit kompensiert wird. Beispiel: Sollte ein Arbeitnehmer in dieser Woche sechsmal 10 Stunden gearbeitet habe, sollte er in der nächsten Woche nur sechsmal 6 Stunden arbeiten. Jede geleistete Arbeitsstunde muss also an anderer Stelle wieder ausgeglichen werden. Stattfinden muss dieser Ausgleich innerhalb von sechs Monaten oder 24 Wochen. Denn wie wir gelernt haben, ist durchschnittlich nur eine 48-Stunden-Woche zugelassen.

Deutsche liegen unter dem europäischen Schnitt

Auch für Unternehmen mit einer Fünf-Tages-Woche sieht das Arbeitszeitgesetz eine Regelung vor. In dem Fall kann die am Samstag „ausgefallene Arbeitszeit“ auf die anderen Tage umgelegt werden. Dementsprechend liegt die zulässige Arbeitszeit bei 9,6 Stunden. Möglich wäre also die Beschäftigung der Arbeitnehmer von Montag bis Freitag mit jeweils 9,6 Stunden oder die Beschäftigung von Montag bis Donnerstag mit jeweils zehn Stunden sowie Freitag mit acht Stunden.

Betrachtet man den Mittelwert, dann können sich die Deutschen allerdings nicht beschweren. Mit durchschnittlichen 35,3 Stunden Arbeit pro Woche liegen wir unter dem Schnitt der Europäer (37, 2 Stunden).


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