Nachtarbeit


Nachtarbeit Definition

Unter Nachtarbeit fällt jede Arbeit, die in der Zeit zwischen 23 und 6 Uhr anfällt. Für Bäckereien und Konditoreien verschiebt sich der Zeitraum auf 22 bis 5 Uhr.

Die gesetzlichen Regelungen zur Nachtarbeit sind aber erst dann anwendbar, wenn ein Arbeitnehmer in diesem Zeitraum mehr als zwei Stunden arbeitet. Als Nachtarbeiter mit besonderen Rechten gelten außerdem nur Arbeitnehmer in Wechselschicht mit Nachtarbeit. Ansonsten müssen sie mindestens an 48 Tagen im Jahr Nachtarbeit leisten, um als Nachtarbeiter zu gelten.


Wie ist im Arbeitszeitgesetz Nachtarbeit geregelt?

Das Arbeitszeitgesetz sieht genau wie für Tagarbeiter höchstens acht Stunden pro Tag beziehungsweise Schicht vor. Diese darf der Arbeitgeber bei Bedarf auf maximal zehn Arbeitsstunden ausdehnen.

Anders als bei anderen Arbeitnehmern müssen Nachtarbeiter Überstunden innerhalb von vier Wochen oder einem Kalendermonat ausgleichen. Tagarbeiter haben dazu 24 Wochen oder sechs Kalendermonate. Das bedeutet, in dieser Zeit darf der Durchschnitt nur höchstens acht Stunden betragen.

Für Nachtarbeit ist der Arbeitgeber verpflichtet, einen angemessenen Ausgleich in Lohnzuschlägen oder Freizeit zu gewähren.


Wie hoch sind die Zuschläge für Nachtarbeit?

Grundsätzlich entscheidet der Arbeitgeber im Arbeitsvertrag, welchen Zuschlag er gewährt. Dieser muss laut Gesetz „angemessen“ sein. Gängig ist ein Satz von 25 Prozent mehr Lohn oder Freizeit für diese Zeit, je nach Branche und Arbeit. In Tarifverträgen ist ein anderer Satz möglich. Bei Dauernachtarbeit haben sich 30 Prozent durchgesetzt.

Eine allgemeine Erhöhung des Lohns ist auch möglich. Allerdings sind Zuschläge nicht steuerfrei, wenn sie nicht nachweislich an bestimmte Arbeitszeiten oder Gelegenheiten gebunden sind. Arbeitgeber sollten Zuschläge deswegen auf der Lohnabrechnung explizit ausweisen.

Nachtzuschlag gibt es nur für die tatsächlich während der Nachtzeit geleistete Arbeit. Liegt ein Teil der Schicht nicht in der Zeitspanne, gibt es für diese Stunden keinen Zuschuss. 


Wann ist der Nachtzuschlag steuerfrei?

Lohnzuschläge von bis zu 25 Prozent sind grundsätzlich steuerfrei. Von lohnsteuerfreien Zuschüssen zahlt ein Arbeitnehmer auch keine Sozialversicherungsbeiträge.

Bei Nachtarbeit zwischen 0 und 4 Uhr sind es sogar 40 Prozent, wenn der Arbeitnehmer vor 0 Uhr angefangen hat. Auch dieser Satz ist in dem Fall steuerfrei.

Eine allgemeine Erhöhung des Gehalts, die nicht an bestimmte Arbeitsstunden gebunden ist, ist nicht steuerfrei.


Welche Rechte haben Nachtarbeiter?

  • Laut Gesetz darf ein Arbeitgeber nur Nachtarbeiter beschäftigen, wenn die Arbeit nach gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen menschengerecht möglich ist. Sprechen gesicherte Befunde bei einer bestimmten Tätigkeit gegen Nachtarbeit, ist diese also nicht erlaubt. Nach einer Nachtarbeitsphase sollten beispielsweise mindestens 24 Stunden Ruhephase folgen, besser länger. Außerdem sollten Mitarbeiter sich frühzeitig auf ihre Schichten einstellen können.

  • Arbeitnehmer in Nachtarbeit haben ein Recht auf ärztliche Untersuchungen. Das gilt für eine Untersuchung vor Aufnahme der Tätigkeit sowie eine weitere alle drei Jahre. Hat ein Arbeitnehmer das 50. Lebensjahr vollendet, hat er jedes Jahr Anspruch auf eine Untersuchung. Der Arbeitgeber muss diese Untersuchungen bezahlen. Alternativ darf er beschließen, dass diese von einem Betriebsarzt vorgenommen werden.

  • Ist ein Arbeitnehmer laut Arzt körperlich nicht (mehr) fähig, in Nachtarbeit zu arbeiten, muss der Arbeitgeber ihm einen Tagesplatz anbieten. Das gilt auch für Angestellte, die ein Kind unter 12 Jahren oder einen Pflegebedürftigen betreuen müssen. Hat der Arbeitgeber keinen Tagesplatz zu vergeben, entscheidet der Betriebs- oder Personalrat.

  • Ein Arbeitnehmer, der am Tag arbeitet, darf nicht ohne seine Zustimmung in den Nachtdienst versetzt werden. 

  • Nachtarbeitern stehen dieselben Maßnahmen für Weiterbildung und Aufstiegsmöglichkeiten zu wie Tagesarbeitern im selben Unternehmen.

  • Der Betriebsrat hat ein Mitbestimmungsrecht über Nachtarbeit und deren Uhrzeit.


Welche Ausnahmen gibt es?

Jugendlichen ist Nachtarbeit verboten. Genauso schwangeren und stillenden Müttern. Für diese gilt laut Mutterschutz sogar ein Verbot ab 20 Uhr, wenn sie nicht freiwillig bis 22 Uhr arbeiten möchten.


Was gilt in Österreich und in der Schweiz für Nachtarbeit?


Gefährdet Nachtarbeit die Gesundheit?

Das Gesetz erlaubt nur menschengerechte Nachtarbeit nach wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen. Dennoch kommt es bei Arbeitnehmern, die ihrer Tätigkeit mindestens teilweise nachts nachgehen, zu Beschwerden. Schlafstörungen, Verdauungsbeschwerden, Stress, Gereiztheit, Herz-Kreislauf-Probleme und soziale Benachteiligung können die Folge sein. Jeder Körper reagiert anders und jüngere Menschen kompensieren ein Schlafdefizit schneller. Dennoch arbeitet jeder Nachtarbeiter entgegen seinem biologischen Rhythmus.

Es empfiehlt sich daher zum Beispiel ein Wechsel von Früh- auf Spät- und dann auf Nachtschicht. Ein Wechsel von Frühschicht zu Nachtschicht und dann zurück zur Spätschicht fordert den Körper noch mehr. Außerdem sind mindestens 24 Stunden Ruhezeit nach einer Folge von Nachtschichten empfohlen, besser 48 Stunden.

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