Überstunden


Überstunden Definition

Unter Überstunden versteht man die Zeit, die ein Arbeitnehmer mehr arbeitet als im Arbeitsvertrag vereinbart ist. Bei festgelegten Arbeitszeiten sind das alle Minuten, die nach einer bestimmten Uhrzeit anfallen, oder auch davor. In einem Gleitzeitmodell wird die Arbeitszeit oft in einem Stundenkonto erfasst. Dort sind Soll-Stunden für die Mitarbeiter hinterlegt und das System erkennt automatisch die gearbeiteten Überstunden.

Unter Soll-Stunden versteht man die Zeit, die im Vertrag festgelegt ist. Die Ist-Zeit ist die Arbeitszeit, die tatsächlich mit Arbeit verbracht wird. Diese muss nicht unbedingt gleich oder höher sein. Mitarbeiter können grundsätzlich auch Minusstunden machen. Wie diese ausgeglichen werden, muss mit dem Arbeitgeber besprochen werden.

Da es sich bei der Zeit um Arbeitszeit handelt, ist eine Vergütung von Überstunden notwendig. 


Arbeitsrecht: Wie viele Überstunden sind erlaubt?

Das Arbeitszeitgesetz schreibt genau vor, wie lange ein Angestellter in Deutschland arbeiten darf. Es handelt sich um eine tägliche Arbeitszeit von acht Stunden, die um zwei zusätzliche Überstunden erweitert werden darf. Pausen zählen nicht dazu. In der Woche dürfen Arbeitnehmer allerhöchstens 60 Stunden arbeiten. Dabei geht das Gesetz von einer Sechstagewoche aus.

Arbeiten Angestellte laut Vertrag fünf Tage die Woche, so leisten sie an einem sechsten Arbeitstag Überstunden. Sind für sie aber von vorn herein sechs Tage vorgesehen, handelt es sich nicht um Überstunden. Das gilt natürlich nur, wenn sie die vereinbarten Wochenstunden nicht überschreiten.

In Tarifverträgen und bestimmten Branchen können aber auch andere Regelungen gelten.

Wann genau ein Mitarbeiter Überstunden macht, ist irrelevant. Es kann sich um Arbeitszeit vor oder nach der vereinbarten Uhrzeit handeln. Auch eine Pause zwischen den regulären und den Überstunden ändert nichts am Wesen der Überstunden. Allerdings gibt es auch eine gesetzlich festgelegte Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen. Diese beträgt mindestens elf Stunden.

Arbeitszeiten bei zwei oder mehr Arbeitgebern müssen zusammengezählt werden. Für alle Jobs müssen die Höchstgrenzen an Stunden sowie die Ruhe- und Pausenzeiten eingehalten werden.

Das Arbeitszeitgesetz gilt übrigens nicht für leitende Angestellte und Mitarbeiter, die Personal einstellen und kündigen dürfen. Zeiten, die mit Betriebsratsangelegenheiten verbracht werden, zählen nicht zur Arbeitszeit. Sie müssen die maximale Arbeitszeit nicht einhalten.


Wie lange darf man Überstunden ansammeln?

Überstunden müssen innerhalb von sechs Kalendermonaten beziehungsweise 24 Wochen wieder abgebaut werden. Genauer: In dieser Zeitspanne darf die durchschnittliche Arbeitszeit acht Stunden pro Tag nicht überschreiten. Ausnahme sind Überstunden, die auf ein Lebensarbeitszeitkonto fließen und einen früheren Austritt aus dem Arbeitsleben ermöglichen sollen. Diese müssen Mitarbeiter nicht in der vorgeschriebenen Zeit abfeiern. 

Kann der Arbeitgeber Überstunden automatisch abgelten?

Im Arbeitsvertrag können Regelungen getroffen werden, dass Überstunden nicht bezahlt werden. Sie sind dann mit dem Gehalt abgegolten. Allerdings muss auch hier die Anzahl genau festgelegt sein. Auch muss das Verhältnis von Gehalt und Überstunden sinnvoll sein. Zu viele Überstunden bei geringem Gehalt sind nicht erlaubt. Sätze wie "Sämtliche Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten" oder "Bis zu 20 Überstunden pro Monat sind mit dem Gehalt abgegolten" sind nicht zulässig.


Vergütung von Überstunden: Auszahlung oder Freizeitausgleich?

Überstunden sind Arbeitszeit, die der Arbeitgeber vergüten muss. Er kann für diese Zeiten einen Ausgleich an Freizeit gewähren oder er muss die Überstunden auszahlen. Im letzteren Fall richtet er sich dabei nach dem Stundenlohn des Arbeitnehmers. In den meisten Fällen ist der Umgang mit Überstunden im Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung festgehalten. Bei Stundenkonten ist ein Abfeiern der übrigen Zeit die Regel. 


Darf der Chef Überstundenabbau anordnen?

Der Abbau von Überstunden kann durch den Arbeitgeber organisiert werden. Er sollte dabei zwar auf die Interessen des Mitarbeiters Rücksicht nehmen, trotzdem darf er entscheiden. Meist ist aber so, dass Arbeitnehmer mit Gleitzeitkonten selbst entscheiden können, wann sie weniger arbeiten. Haben sich so viele Überstunden angesammelt wie ein Arbeitstag Stunden hat, kann auch ein ganzer Tag freigenommen werden. 


Wer kontrolliert?

Die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes überprüfen die Aufsichtsbehörden des jeweiligen Landes. Arbeitgeber sind verpflichtet, Überstunden ihrer Mitarbeiter schriftlich festzuhalten. Dies kann digital oder per Hand geschehen. Die Behörden dürfen jederzeit Einsicht in die Aufschrift verlangen und die Einhaltung des Arbeitsrechts überprüfen. 


Wer darf keine Überstunden machen?

Überstunden-Ausnahme Mutterschutz

Schwangere und stillende Mütter dürfen grundsätzlich keine Überstunden machen. Es gelten besondere Arbeitszeitvorschriften im Mutterschutzgesetz.

Überstunden-Ausnahme Mindestlohn

Vorsicht ist auch geboten, wenn Mitarbeiter den Mindestlohn oder nur geringfügig mehr verdienen. Leisten diese Mitarbeiter unbezahlte Überstunden, fallen sie im Durchschnitt pro Stunde unter den Mindestlohn. Das ist nicht erlaubt. Bei einer Mindestlohnbezahlung sind am Ende des Monats also gar keine Überminuten erlaubt.

Im Arbeitszeitgesetz ist eine Anordnung von Überstunden für Minderjährige grundsätzlich untersagt.


Überstunden und Steuern

Die Auszahlung von Überstunden gehört zum Lohn. Arbeitnehmer sollten dies im Hinterkopf behalten, wenn es um die Versteuerung des Jahreslohns geht. Arbeitgeber müssen darauf achten, monatlich die richtige Lohnsteuer vom Gehalt eines Mitarbeiters an das Finanzamt abzuführen.


Stillschweigende Neuregelung des Vertrages bei Teilzeitkräften

Es kann vorkommen, dass Teilzeitkräfte über einen längeren Zeitraum täglich mehrere Überstunden leisten. Ordnet der Arbeitgeber dies an und gibt keine Ausgleichsmöglichkeit, kann sich der Arbeitsvertrag ändern. Da der Chef dann langfristig eine andere Stundenanzahl vereinbart als vorgesehen, gelten diese Stunden als von beiden Seiten angenommen. Die Überstunden sind dann keine mehr und müssen ganz normal bezahlt werden. Die neue Regelung lässt sich dann nur mit Einverständnis des Arbeitnehmers rückgängig machen. 

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