Sollstunden

Kurz und knapp: Sollstunden

  • Sollstunden sind vertraglich festgelegte Stunden, die ein Arbeitnehmer in einem Zeitraum leisten soll.
  • Das Arbeitszeitgesetz legt eine maximale Sollstundenzahl von 48 Stunden pro Woche fest.
  • Die Umrechnung der Sollstunden auf den Tag, den Monat, die Woche oder das Jahr ist mit Formeln möglich.
  • Für Sonderfälle wie Feiertage, Krankheit oder Kurzarbeit gelten andere gesetzliche Regelungen.


Definition: Was sind Sollstunden?

Sollstunden sind im Arbeitsvertrag festgelegt und geben an, wie viele Arbeitsstunden der Arbeitnehmer innerhalb einer Zeitspanne erbringen soll. Die Angabe der Sollarbeitszeit nützt Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die dadurch wissen, wie viele Stunden an welchen Tagen geplant sind. So sind beide Parteien in der Lage, die im Arbeitsvertrag festgelegte Stundenzahl im Blick zu behalten.

Die vorgeschriebenen Sollstunden können dabei dem zugehörigen Tarifvertrag entsprechen oder davon nach unten oder oben abweichen. Das wäre beispielsweise bei einem Angestellten in Teilzeit oder in einer leitenden Position der Fall.

In Verträgen werden die Sollstunden oft als Wochenarbeitszeit angegeben, wie etwa 40 Stunden pro Woche bei Vollzeitbeschäftigten. Je nach Arbeitszeitmodell kann es jedoch sinnvoller sein, eine Regelarbeitszeit pro Tag, Monat oder Jahr festzulegen.

Die Sollarbeitszeit ist dabei nicht zu verwechseln mit der Kernarbeitszeit. Diese begrenzt einen täglichen Zeitraum im Gleitzeitmodell, in dem Arbeitnehmer arbeiten müssen. Sollstunden im Gleitzeitmodell sind unter Beachtung der Kernarbeitszeit flexibel. So können Arbeitnehmer diese für einen gewissen Zeitraum auch unter- oder überschreiten, wenn sie im Durchschnitt auf die vorgegebenen Sollstunden kommen. Ein Arbeitszeitkonto stellt die tatsächliche Arbeitszeit der Sollarbeitszeit gegenüber und eignet sich daher ideal, um den Ausgleich der Stunden zu überblicken.


Wo ist der Unterschied zwischen Sollarbeitszeit und gesetzlicher Arbeitszeit?

Sollarbeitszeiten orientieren sich oft an der gesetzlichen Arbeitszeit oder Normalarbeitszeit, die durch das Gesetz oder durch Tarifverträge beziehungsweise Gesamtarbeitsverträge festgelegt ist. Diese regeln die maximale Arbeitszeit, daher entspricht die Sollarbeitszeit häufig den gesetzlichen Maximalzeiten.

Der Unterschied liegt darin, dass die Sollstundenzeit Urlaub, Überstundenabbau und andere Abwesenheiten berücksichtigt. So reduziert sich die Anzahl an Sollstunden für die Tage auf null, in denen ein Mitarbeiter beispielsweise im Urlaub ist. Die gesetzliche Arbeitszeit hingegen vermindert sich nicht, da sie für die vereinbarte Arbeitszeit steht. Sollstunden können bei Teilzeitmitarbeitern auch deutlich unter der gesetzlichen Arbeitszeit liegen.


Wie werden Sollstunden berechnet?

Die Berechnung der Sollstunden ist wichtig für die monatliche Lohnabrechnung, wenn die Bezahlung auf Stundenbasis erfolgt. Dabei ist der Arbeitgeber in der Pflicht, den Arbeitnehmern die Stundenberechnung nachvollziehbar anzugeben, denn falls Nacharbeit oder Lohnabzug drohen, müssen Mitarbeiter die Möglichkeit haben, die Angaben und ihren Stundenlohn zu prüfen.


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Umrechungstabelle: Wochen-, Monats- und Jahresarbeitszeit

Schneller, als die Sollstunden händisch zu berechnen, ist eine Umrechnungstabelle zum Ablesen. Aus diesem Grund existieren Tabellen mit vereinbarten Wochenarbeitszeiten und deren Umrechnung auf einen Monat oder auf das Jahr. Im Kopf der beiden Spalten dieser Tabelle zum Jahres- und Monatssoll steht die jeweils verwendete Formel.
 

Welche gesetzlichen Regelungen gelten für Sollstunden?

Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) regelt Arbeitszeiten mit dem Ziel, die Gesundheit der Arbeitnehmer zu schützen. Zwar gibt es keine direkten Regelungen zur Sollarbeitszeit, aber es enthält Bestimmungen zur maximalen Arbeitszeit und zu Arbeitsverboten an bestimmten Tagen, an die sich Sollstunden halten. Tarifparteien haben zusätzlichen Freiraum, gemäß der Koalitionsfreiheit (Art. 9 Abs. 3 GG), Sollstunden zu verhandeln, die bestimmte Regelungen des Arbeitszeitgesetzes überschreiten.


Maximale Sollstundenzahl

Das Arbeitszeitgesetz (§ 7 ArbZG) gibt eine maximale Stundenzahl pro Woche von 48 Stunden an, woraus sich eine maximale Sollstundenzahl ergibt. Pro Werktag, von Montag bis Samstag, können folglich acht Sollstunden vorgeschrieben werden. Für Arbeit an fünf Wochentagen gelten 40 Stunden normale Arbeitszeit ohne Überstunden.

Arbeitsverbot

Arbeitnehmer dürfen an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen nicht beschäftigt werden (§ 9 ArbZG). Dabei gelten laut § 10 ArbZG einige Ausnahmen, darunter fallen unter anderem Rettungsdienste, Krankenhäuser und auch Gaststätten, Hotels, Sport- und Freizeiteinrichtungen.


Welche Sonderfälle gibt es bei der Sollarbeitszeit?

Sollstunden bei Feiertagen

Das Arbeitszeitgesetz verbietet zwar grundsätzlich Arbeit an Sonn- und Feiertagen, gibt aber auch einige Branchen an, die eine Ausnahme bilden. Für diese Branchen gelten folglich Feiertage, die auf einen Werktag fallen, als Arbeitstag. Arbeitnehmer können für diese Tage verpflichtet werden, zu arbeiten. Dafür erhalten sie für die Arbeit an einem Feiertag einen ganzen Ruhetag als Zeitausgleich. Arbeitet ein Arbeitnehmer an einem Feiertag nicht, entstehen jedoch keine Minusstunden. Denn Mitarbeiter, die an einem Feiertag keine Arbeit leisten, dürfen nicht benachteiligt werden. So reduziert sich hierfür die Soll-Arbeitszeit in der Woche mit dem Feiertag, der auf einen Werktag fällt, und der Arbeitgeber vergütet den Arbeitsausfall. Dies besagt § 2 des Entgeltfortzahlungsgesetzes.


Sollstunden bei Krankheit

Bei Krankheit kann der Arbeitnehmer seine Sollstunden nicht erbringen. Deswegen gelten die Sollstunden für Krankheitstage nicht. Das Krankheitsrisiko liegt beim Arbeitgeber, denn der Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf Entgeltzahlung im Krankheitsfall (§ 3 EntgFG). Dies gilt beim unverschuldeten Krankheitsfall und einer Arbeitsunfähigkeit bis zu sechs Wochen. Der Arbeitnehmer ist nicht verpflichtet, die aufgrund der Krankheit ausgefallenen Stunden nachzuarbeiten. Bei längerer Krankheit übernimmt die Krankenkasse Zahlungen.


Sollstunden bei Kurzarbeit

In Unternehmen mit Kurzarbeit wird vorübergehend die Sollarbeitszeit reduziert. Für diese Zeit leisten betroffene Arbeitnehmer weniger als die im Arbeitsvertrag festgelegte Anzahl an Sollstunden. Das ist dann erforderlich, wenn wegen eines wirtschaftlichen oder unabwendbaren Ereignisses das Arbeitspensum stark abnimmt. Arbeitgeber können dadurch Personalkosten einsparen und so betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Das Arbeitsamt stockt dabei einen Teil der Gehälter derjenigen Arbeitnehmer auf, die durch die Reduzierung der Sollstunden weniger verdienen.


Wie werden Sollstunden kontrolliert?

Mit einer Arbeitszeiterfassung können Arbeitgeber überprüfen, ob Mitarbeiter ihre Sollstunden einhalten. Arbeitgeber vergleichen dazu die Sollstunden mit den tatsächlich gearbeiteten Stunden. Dafür nehmen sie die vereinbarten Sollstunden und ziehen die Iststunden, die gearbeiteten Stunden, ab. Ist das Ergebnis positiv, handelt es sich um Minusstunden, ist der Wert negativ, wurden Überstunden erbracht. Arbeitnehmer und Arbeitgeber können per Papier-Stundenzettel, Excel-Tabelle oder per Software den Vergleich der Soll- und Iststunden ziehen. Zu den Vorteilen einer Software zur Zeiterfassung gehört, dass die erfassten Daten automatisch auf dem jeweiligen Arbeitszeitkonto landen. Dabei kann eine Software individuelle Sollstunden berücksichtigen und daraufhin präzise Minus- und Plusstunden für jeden Mitarbeiter errechnen.


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