Lohnfortzahlung

Rund um die Lohnfortzahlung


Lohnfortzahlung Definition

Die Lohnfortzahlung, oder Entgeltfortzahlung, sichert die durchgängige Bezahlung von Arbeitnehmern bei Krankheit und anderen Abwesenheiten. Das Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) legt die Bedingungen und Sonderfälle fest. Grundsätzlich gilt, dass jeder Arbeiter und Angestellte einen Anspruch darauf hat, bei Krankheit und an Feiertagen seinen regelmäßigen Lohn zu erhalten. Ist kein Arbeitgeber verpflichtet zu zahlen, gibt die Krankenkasse Krankengeld.


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Voraussetzungen für die Entgeltfortzahlung: Meldepflicht und Nachweispflicht

Das Gesetz legt einige Regeln für die Lohnfortzahlung fest. Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall findet nicht automatisch statt. Der Arbeitnehmer muss sich darum kümmern. So besteht für einen kranken Mitarbeiter sowohl eine Meldepflicht als auch eine Nachweispflicht. Beide sind im Entgeltfortzahlungsgesetz geregelt.

Hat der Mitarbeiter für die Dauer der Krankheit keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, darf der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung verweigern. Hat das Unternehmen den Verdacht, der Angestellte sei nicht arbeitsunfähig, darf es Maßnahmen ergreifen, um das zu beweisen. Auch eine Kündigung ist dann unter Umständen möglich, zum Beispiel eine Verdachtskündigung.

Geht ein Arbeitnehmer einer Nebentätigkeitnach, darf er dieser im Krankheitsfall nachgehen, wenn er für diese nicht arbeitsunfähig ist. Ein Zugbegleiter mit Beinbruch kann nebenbei im Call Center arbeiten.


Wer bekommt Lohnfortzahlung bei Krankheit und wie lange?

Zwischen verschiedenen Arbeitnehmern besteht kein Unterschied.

  • Vollzeit- und Teilzeitkräfte,
  • Minijobber,
  • Ferienaushilfen,
  • Studentenjobber,
  • Auszubildende
  • und alle befristeten Arbeitnehmer

haben Anspruch auf Lohnfortzahlung. Der Arbeitgeber darf diese ab dem ersten Arbeitstag gewähren, im Gesetz ist jedoch eine Mindestlänge von vier Wochen für das Arbeitsverhältnis vorgesehen. Wer nach drei Wochen beim neuen Arbeitgeber erkrankt, hat für eine Woche keinen gesetzlichen Anspruch auf sein Geld. Dauert die Krankheit länger als eine Woche, beginnt der Anspruch nach vier Wochen Zugehörigkeit zum Betrieb. Ob das Unternehmen vorher trotzdem zahlt, ist ihm überlassen.


Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Sowohl für physische als auch für psychische Krankheiten bekommt ein Arbeiter Lohnfortzahlung. Darunter fällt jedwede Art von Krankheit, vorausgesetzt, sie macht den Mitarbeiter arbeitsunfähig. Mit einem gebrochenen Bein lässt sich telefonieren, aber keine Post austragen. Ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht auch bei Organspende, Blutstammzellspende. Außerdem bei rechtmäßigem Schwangerschaftsabbruch oder Sterilisation sowie zur Kur oder Rehabilitation, die notwendig und vom Sozialträger genehmigt ist. 

Aber nicht für jeden Krankheitsfall muss der Arbeitgeber zahlen. Hat der Arbeitnehmer vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt, ist er selbst schuld. Wer betrunken einen Autounfall hervorruft oder eine Schlägerei anzettelt, hat keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Auch wer viel Zeit mit wegen Grippe arbeitsunfähigen Kollegen verbringt und sich ansteckt, hat schlechte Karten. (Extrem-)Sportunfälle sind ein umstrittenes Thema, oft gilt jedoch auch hier: Wer nicht fahrlässig handelt, hat Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

Kann der Arbeitnehmer Schadensersatz von Dritten beanspruchen, geht der Anspruch auf den Arbeitgeber über. Das betrifft vom Arbeitgeber zu tragende Beiträge zur Bundesagentur für Arbeit, Arbeitgeberanteile an Beiträgen zur Sozialversicherung und zur Pflegeversicherung sowie zu Einrichtungen der zusätzlichen Alters- und Hinterbliebenenversorgung.


Dauer der Entgeltfortzahlung


Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dem Mitarbeiter für sechs Wochen beziehungsweise 42 Tage den Lohn bei Krankheit zu zahlen. Für ein und dieselbe Erkrankung mit Unterbrechungen, in denen der Mitarbeiter arbeitet, zählt der Arbeitgeber alle Krankheitstage zusammen. Er muss dann insgesamt für sechs Wochen aufkommen. Die Information, ob dieselbe Krankheit bereits vorlag, holt er sich von der Krankenkasse, meistens über ein Online-Tool.

Diese Zusammenrechnung verfällt, wenn nach Ende der letzten Krankschreibung sechs Monate vergangen sind. Auch bei andauernder Krankheit springt der Arbeitgeber wieder ein: Ist ein ganzes Jahr seit letztem Beginn der Krankheit vergangen, zahlt das Unternehmen erneut für sechs Wochen die Lohnfortzahlung. Für verschiedene Erkrankungen besteht keine Wartefrist und Mitarbeiter haben direkt einen neuen Anspruch.

Erkrankt ein Mitarbeiter beispielsweise für fünf Wochen an Burn-Out, zahlt sein Unternehmen ihm weiterhin den Lohn. Zwei Monate später ist er wieder arbeitsunfähig wegen Burn-Out, diesmal für zwei Wochen. Die erste der beiden Wochen fällt noch in die Zuständigkeit des Arbeitgebers. Danach muss er kein Entgelt mehr zahlen. Fällt der Mitarbeiter allerdings erneut wegen derselben Krankheit aus und zwischen den beiden Ausfällen liegen sechs Monate, steht sein Unternehmen wieder in der Pflicht. 

Dauert eine Krankheit neun Monate an, zahlt der Arbeitgeber auch die ersten sechs Wochen. Der Mitarbeiter kehrt für drei Monate zurück und erkrankt erneut, genau ein Jahr nachdem die erste Erkrankung begonnen hat. Hier beginnt die Sechs-Wochen-Frist für den Arbeitgeber von vorne.

Ist ein Mitarbeiter krank zu Hause, beispielsweise wegen eines gebrochenen Arms, und bekommt dann die Grippe, verlängert sich der Zeitraum nicht. Der Arbeitgeber zahlt weiterhin nur sechs Wochen, selbst wenn die Grippe über die Arbeitsunfähigkeit wegen Armbruchs hinausgeht.

Endet der Arbeitsvertrag während der Erkrankung, zum Beispiel durch eine Befristung, endet auch der Anspruch. Eine Kündigung wegen Krankheit ist nur in bestimmten Fällen zulässig. In diesem Fall besteht der Anspruch aber weiter. Genauso bei einer Kündigung durch den Arbeitnehmer wegen Sachverhalten, die der Arbeitgeber verschuldet.


Lohnfortzahlung nach sechs Wochen

Sind die sechs Wochen der Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber vorbei, springt die gesetzliche Krankenkasse ein. Dauert die Krankheit länger, stellen Arbeitnehmer einen Antrag bei der Kasse und erhalten Krankengeld. Dieses ist niedriger als der volle Lohn, die genauen Bedingungen variieren von Krankenkasse zu Krankenkasse.

Privat versicherte Arbeitnehmer erhalten Krankentagegeld, wenn sie eine solche Zusatzversicherung abgeschlossen haben. 

Die Regelungen in einem Tarifvertrag können von den gesetzlichen abweichen. Das gilt nur, wenn sie für den Arbeitnehmer günstiger sind als das Gesetz.


Lohnfortzahlung für Selbstständige

Selbstständige und Freelancer stehen in keinem Arbeitsverhältnis. Aus diesem Grund haben sie keinen Anspruch darauf, dass jemand anderes sie bei Krankheit bezahlt. Jede selbstständige Person kalkuliert Tage, an denen sie arbeitsunfähig ist, in Einnahmen und Stundensatz mit ein. Über höhere Zahlungen an die gesetzliche Krankenkasse gibt es jedoch auch Krankengeld für Freelancer. 


Berechnung der Entgeltfortzahlung

Die Lohnfortzahlung, die der Arbeitgeber in den ersten sechs Wochen Krankheit übernimmt, entspricht dem vollen Lohn. Es gilt das Lohnausfallprinzip für die Arbeitszeit, die ausfällt. Das bedeutet, jeder Lohn, den ein Arbeitnehmer bekommen hätte, gehört in die Fortzahlung. Das beinhaltet zusätzlich zum normalen Lohn  Sonn- und Feiertagszuschläge, Zuzahlung bei Nachtarbeit, Provisionen, Gefahrenzulagen und Aufwendungsersatz. Lohnerhöhungen sind ebenfalls für arbeitsunfähige Arbeitnehmer fällig. Überstunden fließen ein, wenn sie regelmäßig anfallen. Ist nicht eindeutig, welche Zahlung dem Mitarbeiter entgeht, ist der Durchschnitt der letzten drei Monate zu nehmen.

Für Arbeit auf Stundenbasis ziehen Unternehmen zur Berechnung ebenfalls die letzten drei Monate beziehungsweise die letzten 13 Wochen heran. Die ausgefallenen Stunden multiplizieren Arbeitgeber mit dem Stundenlohn.

Während der Lohnfortzahlung besteht kein Anspruch auf Krankengeld, Verletztengeld oder Arbeitslosengeld.


Heimarbeit und Lohnfortzahlung

In Heimarbeit Beschäftigte haben keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Stattdessen erhalten Sie einen monatlichen Zuschlag zum Bruttolohn: Ohne fremde Hilfskräfte sind es 3,4 Prozent, bei zwei oder weniger fremden Hilfskräften 6,4 Prozent. Die Art der Arbeitsunfähigkeit spielt keine Rolle. Für Feiertage haben Sie Anspruch auf Bezahlung.

Die Berechnung ist etwas komplizierter. Das Feiertagsentgelt beträgt 0,72 Prozent des Arbeitsentgeltes in sechs Monaten, ohne Unkosten. Für Feiertage von Mai bis Oktober werden die sechs Monate vom vorigen November bis April herangezogen und umgekehrt. Bei Nichtfortsetzen des Heimarbeitsverhältnisses zahlt der Arbeitgeber dem Heimarbeiter für das laufende und das folgende Halbjahr noch das Feiertagsgeld. Dieses Feiertagsgeld und die Zuschläge weist der Arbeitgeber im Entgeltbeleg aus.


Entgeltfortzahlung im Mutterschutz

Im Mutterschutz haben Arbeitnehmerinnen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Das gilt insbesondere für das Beschäftigungsverbot sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt. Ist die werdende Mutter aufgrund von gesundheitlichen Problemen in der Schwangerschaft vor dem Beschäftigungsverbot krankgeschrieben, gilt dies auch.

Anders verhält es sich bei Elternzeit. Das Geld für diesen Zeitraum zahlt der Staat, zwischen 65 und 67 Prozent des vorherigen Lohns. 


Lohnfortzahlung im Urlaub

Im Urlaub erhält jeder Arbeitnehmer weiterhin seinen regelmäßigen Lohn. Das gilt für bezahlten und nicht für unbezahlten Urlaub. Welchen Urlaubsanspruch ein Angestellter hat, regelt er mit seinem Arbeitgeber. Auch bei Krankheit im Urlaub gibt es bis zu sechs Wochen Entgeltfortzahlung.

Anders verhält es sich, wenn ein Beschäftigter in seiner Freizeit arbeitsunfähig wird. Sein Unternehmen kommt nicht für den Lohn auf. Das gilt auch für freie Tage, in denen Arbeitnehmer Überstunden abbauen. Baut ein Arbeitnehmer einen Tag Mehrarbeit ab und erkrankt für diesen Tag an einer Erkältung, bekommt er seine Stunden nicht zurück.


Geschichte der Entgeltfortzahlung

Bereits 1861 gab es im preußischen Allgemeinen Deutschen Handelsgesetzbuch die Regelung für Lohnanspruch bei unverschuldeter Verhinderung. Den allgemeinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit regelt seit 1970 das "Gesetz über die Fortzahlung des Arbeitsentgelts im Krankheitsfalle und über Änderungen des Rechts der gesetzlichen Krankenversicherung". 1994 führte Deutschland das "Gesetz über die Zahlung an Feiertagen und im Krankheitsfall (Entgeltfortzahlungsgesetz)" wie es heute ist ein. Seitdem gab es ein paar Aktualisierungen und Anpassungen.

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