Die maximale Arbeitszeit: 5 häufige Fehler


Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Deutschland wissen, dass es Regelungen für die maximale Arbeitszeit pro Tag und Woche gibt. Trotzdem gibt es einige Dinge, die man im Arbeitsalltag falsch machen kann.

Die Höchstarbeitszeit beträgt acht Stunden und es gibt gesetzliche Ruhepausen. Das ist den meisten klar, doch welcher Ausgleichszeitraum gilt? Gibt es Sonderregelungen für Pausen? Und welche Ruhepause gilt bei mehreren Arbeitgebern? Lesen Sie hier, wie es nicht geht!



Wie lange arbeiten Sie und Ihre Mitarbeiter? Erfassen Sie Ihre Arbeitszeit mit der Arbeitszeiterfassung clockodo und erhalten Sie einen genauen Überblick über alle Arbeitszeiten und Überstunden.


Wer ist verantwortlich für die Einhaltung der maximalen Arbeitszeit?

Verantwortlich für die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes ist der Arbeitgeber, denn er haftet bei Verstößen gegen die Höchstarbeitszeit (§ 22 ArbZG). Das Gesetz dient dem Gesundheitsschutz einzelner Mitarbeiter. Der Arbeitgeber muss den Aufsichtsbehörden die Arbeitszeiten seiner Firma bei Nachfragen darlegen können. Dazu muss er Arbeitszeit aufzeichnen, die über die täglich zulässige hinausgeht (§ 16 ArbZG). Das Gesetz muss außerdem zur Einsicht für Mitarbeiter ausliegen. In Zukunft müssen Arbeitgeber in der EU die komplette Arbeitszeit aller Mitarbeiter aufzeichnen. So steht es in einem EuGH-Urteil zur Arbeitszeiterfassung.

In bestimmten Branchen muss Beginn, Ende und Dauer schon jetzt aufgezeichnet werden, zum Beispiel im Bau- oder Gaststättengewerbe; für Minijobber gilt die Aufzeichnungspflicht immer (§ 17 MiLoG). Im Gesetz sind maximale Arbeitszeiten, der Umgang mit Überstunden und die gesetzlichen Pausenzeiten genau festgehalten. Das Jugendarbeitsschutzgesetz legt in § 8 sogar eine Höchstarbeitszeit von acht Stunden fest, ohne weitere Überstunden oder einen Zeitausgleich für solche zu erlauben.

Verstößt ein Arbeitgeber gegen das Arbeitszeitgesetz, sind Bußgelder von bis zu 15.000 Euro fällig (§ 22 ArbZG).

Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit eignen sich besonders gut, um Plus- und Minusstunden aufzufangen. Arbeitnehmer bauen Überstunden selbstständig ab, können bei hohem Arbeitsaufkommen ohne Probleme die zusätzliche Zeit verfolgen und die gesetzliche Arbeitszeitrichtlinie einhalten.


Welche Fehler passieren bei der maximalen Arbeitszeit? 5 Beispiele

1. Die Pause falsch aufgeteilt

Praxisbeispiel:
Tina, 54 Jahre, ist Vollzeit-Büroangestellte in einer großen Firma. Tina loggt sich heute nach knapp sechs Stunden aus ihrem Zeiterfassungssystem aus. Sie weiß: Die maximale Arbeitszeit vor der ersten Pause beträgt sechs Stunden. Zehn Minuten später klingelt ihr Telefon. Weil sie die Nummer des Chefs erkennt, geht sie ran und loggt sich wieder im System ein. Kurze Zeit später ist das Telefonat beendet und Tina macht für weitere 20 Minuten Pause. Danach arbeitet sie bis zum Ende des Arbeitstages weiter.

Insgesamt war Tina 30 Minuten lang ausgeloggt. Bei einer Arbeitszeit von insgesamt mehr als sechs Stunden muss sie auch 30 Minuten Pause machen. Teilt man diese Zeit allerdings auf zwei Pausen auf, müssen diese jeweils mindestens 15 Minuten lang sein. Tina hat also die maximale Arbeitszeit überschritten.
(§ 4 ArbZG)

Lösung:
Sie hätte ein Telefonat erst nach 15 Minuten annehmen dürfen, um später weitere 15 Minuten Pause zu machen. Oder sie hätte nach dem Telefonat insgesamt 30 Minuten lang ausgeloggt sein müssen, um die gesetzlichen Pausenzeiten einzuhalten.


2. Die maximalen Wochenstunden überschritten

Praxisbeispiel:
Als angestellter Journalist ist Philip, 43 Jahre, es gewohnt, dass Überstunden anfallen und die höchstzulässige Arbeitszeit ausgereizt wird. Das ist nicht weiter schlimm für ihn, denn er bekommt sie gutgeschrieben und kann sie wieder abbauen. Letzte Woche war ein Kollege krank und Philip hat ein paar seiner Artikel übernommen. Dabei kam Philip auf 63 Stunden für seine wöchentliche Arbeitszeit. Die Überstunden baut er jetzt direkt wieder ab.

Philip hat die maximale Arbeitszeit pro Woche überschritten. Arbeitnehmer müssen eine Wochenarbeitszeit von 48 Stunden einhalten, höchstens 60 Stunden mit Überstunden. Das ergibt sich aus einer maximalen Arbeitszeit von acht regulären plus zwei Überstunden pro Tag für sechs Arbeitstage. Auch ein Abbau direkt danach ändert die Höchstarbeitszeit nicht.
(§ 3 ArbZG)

Lösung:
Philips Arbeitgeber hätte die anfallende Arbeit auf mehrere Kollegen aufteilen oder sich eine Alternative einfallen lassen müssen, damit keiner von ihnen die Höchstgrenze der Zeit überschreitet. Zusätzlich zur täglichen Zeit müssen Chefs auch die wöchentliche Arbeitszeit im Auge behalten.


3. Bei zwei Arbeitgebern die gesetzliche Ruhezeit nicht eingehalten

Praxisbeispiel:
Petra, 35 Jahre, arbeitet hauptberuflich als Arzthelferin für 30 Stunden die Woche. Montags bis freitags ist sie jeden Tag von acht bis 14 Uhr vor Ort. Danach holt sie ihre Kinder vom Kindergarten ab und verbringt den Nachmittag mit ihnen. Abends ist auch ihr Mann zu Hause und Petra macht sich auf den Weg zu ihrem Zweitjob. Dort hilft sie einer älteren Dame von 19:30 bis 21:30 beim Haushalt und beim Waschen.

Zwar hat Petra mit insgesamt acht Stunden nicht die maximale Arbeitszeit pro Tag überschritten. Trotzdem muss sie neben den Pausen während einer Arbeitszeit auch die Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen einhalten. Diese beträgt mindestens elf Stunden, von denen Petra jeden Tag nur zehneinhalb bekommt. Bei Tätigkeiten für unterschiedliche Arbeitgeber müssen Arbeitnehmer die Ruhephase von einem Tag auf den anderen auch einhalten.
(ArbZG § 2 (1) und § 5)

Lösung:
Erfahren die Arbeitgeber jeweils vom anderen Job, sollten sie Petra auf das Arbeitszeitgesetz aufmerksam machen. Besonders einzuhaltende Ruhezeit und die maximale Arbeitszeit pro Tag und Woche spielen hier eine Rolle. Tipp: Arbeitgeber können im Arbeitsvertrag festhalten, dass Mitarbeiter einen Zweitjob bei ihm melden müssen. So geht er sicher, dass seine Angestellten die Höchstarbeitszeit und Ruhepausen nicht heimlich übergehen.


4. Die Sonn- und Feiertagsruhe nicht eingehalten

Praxisbeispiel:
Herr Schuster fährt am Montag in den Urlaub und sein Badezimmer ist samstags noch nicht ganz fertig gefliest. Dabei waren die Handwerker seit Montag jeden Tag vor Ort! Markus, 39 Jahre, Fliesenverleger, weiß, dass der Rest schnell erledigt ist. Deswegen schickt sein Chef Markus Sonntagvormittag noch einmal schnell bei Herrn Schuster vorbei. Schließlich hat Markus am Freitag nur sechs Stunden gearbeitet und seine maximale Arbeitszeit noch nicht ausgereizt. Nach einer Stunde fährt Markus nach Hause, um sich für den Montag auszuruhen.

Markus hat unerlaubterweise am Sonntag gearbeitet. Die Wochenarbeitszeit von höchstens 48 Stunden wurde zwar eingehalten. Aber Arbeitnehmer dürfen nicht am Sonntag arbeiten. Es gibt Ausnahmen, bei denen bestimmte Branchen auch Sonntags arbeiten können (§ 10 ArbZG). Zu denen gehört Markus jedoch nicht.
(§ 9 ArbZG)

Lösung:
Der Arbeitgeber durfte Markus nicht am Sonntag noch einmal hinschicken. Das gilt auch, wenn unvorhergesehener Arbeitsbedarf besteht. Stattdessen hätte er ihn oder einen anderen Kollegen am Samstag zu Ende arbeiten lassen können. Überstunden innerhalb der sechs Wochenarbeitstage sind bis zu einem gewissen Grad erlaubt.


5. Die Überstunden nicht rechtzeitig abgebaut

Praxisbeispiel:
Jan, 22 Jahre, arbeitet leidenschaftlich gerne als Kommunikationsdesigner. Da machen ihm auch die Überstunden nach einem Achtstundentag nicht viel aus. Pro Tag macht er höchstens zwei Stunden Mehrarbeit, denn die maximale Arbeitszeit pro Tag beträgt zehn Stunden. Weil er für nächstes Jahr eine kleine Auszeit plant, spart er seine Überstunden auf. Jan freut sich schon sehr darauf, obwohl es noch mehr als sieben Monate bis dahin sind.

Mehrarbeit muss im Ausgleichszeitraum von 24 Wochen beziehungsweise sechs Kalendermonaten wieder abgebaut sein. Auf einem speziellen Langzeitkonto für Mehrarbeit dürfte Jan Überstunden für längere Zeit aufbauen. Bei einem normalen Stundenkonto allerdings verstößt er so gegen das Gesetz.
(§ 3 ArbZG)

Lösung:
Das Ansammeln von Überstunden, ohne zwischendurch abzubauen, dürfte nur sechs Kalendermonate vor Jans Rückkehr von der Auszeit beginnen. Dabei muss er sich natürlich auch an die Höchstarbeitszeit halten. Arbeitgeber müssen das wissen und Jan darauf aufmerksam machen.
 


Kurz und knapp: Wie hoch ist die maximale Arbeitszeit?

  • Die maximale Arbeitszeit pro Tag beträgt acht Stunden plus zwei zulässige Überstunden. Insgesamt sind es also höchstens zehn Arbeitsstunden am Tag.
     
  • Die maximale Arbeitszeit pro Woche beträgt 48 Stunden plus zwölf Überstunden, also 60 Stunden insgesamt. Das leitet sich aus einer Sechs-Tage-Woche her, bei der jeden Tag höchstens zehn Stunden gearbeitet werden darf.
     
  • Bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden müssen 30 Minuten Pause gemacht werden. Diese dürfen auf zwei Pausen á 15 Minuten aufgeteilt werden. Die Pausen dürfen jeweils nicht kürzer sein als vorgeschrieben. Bei insgesamt neun Arbeitsstunden sind 45 Minuten Pause einzuhalten.
     
  • Überstunden müssen nach 24 Wochen oder sechs Kalendermonaten wieder abgebaut sein. Für Mehrarbeit aus Nachtarbeit gilt eine Frist von vier Wochen.
     
  • Die gesetzliche Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen beträgt mindestens elf Stunden.
     
  • An Sonn- und Feiertagen darf nur in Ausnahmefällen gearbeitet werden. Für Sonntage muss der Arbeitgeber innerhalb von zwei Wochen einen Ausgleichstag gewähren, für Feiertage innerhalb von acht Wochen.
     
  • Bereitschaftsdienst vor Ort ist Arbeitszeit, aber Rufbereitschaft fernab vom Arbeitsort nicht.

Welche Ausnahmen vom Arbeitszeitgesetz gibt es?

Es gibt auch Ausnahmen und Sonderregelungen, für die diese Vorschriften nicht gelten. Bestimmte Personen oder Arbeitnehmer in bestimmten Situationen dürfen die maximale Arbeitszeit überschreiten. (§ 7, § 12 und § 18 ArbZG)

  • Sollte eine der Personen leitender Angestellter sein oder der Betriebsrat Mehrarbeit machen, gelten die Überstundenregelungen nicht. Chefärzte sowie Pfleger und Betreuer im selben Haushalt sind ebenfalls ausgenommen.
  • Wenn die Existenz des Unternehmens bedroht ist und Mitarbeiter dies versuchen zu verhindern, liegt eine Ausnahmesituation vor. Das gilt natürlich auch, wenn Menschen gefährdet sind.
  • Außerdem können bei Tarifverträgen und Dienstvereinbarungen abweichende Regelungen für die maximale Arbeitszeit und die Pausenzeiten greifen. Das ist oft in Pflegeberufen der Fall.
  • Jugendliche haben pro Tag eine Höchstarbeitszeit von acht Stunden.
  • Schwangere und stillende Mütter dürfen keine Überstunden machen. Im Mutterschutz gilt sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt ein Beschäftigungsverbot.

Alle Regelungen rund um das Gesetz zur Arbeit inklusive Pausen, Überstunden und Abbau von Mehrarbeit finden sich in unserem Lexikonbeitrag „Arbeitszeitgesetz“ – jetzt lesen!


Bonustipp für Sie

§ 11 Jugendarbeitsschutzgesetz regelt die Pausen für Minderjährige noch einmal strenger als das Arbeitszeitgesetz. Frühestens nach einer Stunde Arbeitszeit und spätestens eine Stunde vor Ende des Arbeitstages nehmen sie ihre Pausen. Bereits bei einer täglichen Arbeitszeit von mehr als viereinhalb Stunden stehen ihnen 30 Minuten Pause zu, ab mehr als sechs Arbeitsstunden 60 Minuten. Diese Pausen dürfen die Minderjährigen nicht direkt am Arbeitsplatz verbringen, damit tatsächlich eine Erholung stattfindet.


Wie lässt sich die maximale Arbeitszeit einhalten?


Eine Arbeitszeiterfassung ist schon in vielen Unternehmen eingezogen. In einigen Branchen und bei Minijobbern ist sie sogar Pflicht. Bei einer solchen Software loggen sich die Mitarbeiter ein und aus, ähnlich einer Stempeluhr. Soll-Stunden können individuell eingestellt werden und das Stundenkonto eines Mitarbeiters zeigt Überstunden und Minusstunden genau auf. So kann ein Arbeitgeber direkt gegensteuern, wenn zu viele Stunden anfallen, als das Gesetz es erlaubt. Viele solcher Programme melden, wenn die maximale Arbeitszeit pro Tag überschritten wird. Informieren Sie sich über die Arbeitszeiterfassung mit clockodo!

Es lohnt sich also, das Arbeitszeitgesetz etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Die maximale Arbeitszeit ist dort exakt geregelt, genau wie der Umgang mit Mehrarbeit. Schreiben Arbeitnehmer ihre Stunden handschriftlich mit einem Stundenzettel auf oder erfassen sie digital mit einer Stundenzettel App, können sie selbst überprüfen, ob sie die Höchstarbeitszeit einhalten. Eine Arbeitszeiterfassung kann der Arbeitgeber auch vertraglich oder in einer Betriebsvereinbarung festhalten. Sollten Mitarbeiter das Gesetz nicht einhalten, ist es Aufgabe des Arbeitgebers, darauf hinzuweisen und die richtige Einhaltung zu erklären.


Arbeitszeit mit clockodo erfassen

Mit der Arbeitszeiterfassung clockodo halten Sie problemlos und automatisch die gesetzlichen Arbeits- und Pausenzeiten ein.


Katharina Bensch


Katharina Bensch ist die clockodo-Expertin für Themen rund um den Arbeitsalltag.
Mit zertifiziertem Fachwissen zu rechtlichen Arbeitsthemen und vielfältiger Erfahrung als Redakteurin betreut sie das clockodo-Info-Portal.