Midijob


Definition: Was ist ein Midijob?

Als Midijob bezeichnet man in Deutschland ein Arbeitsverhältnis, bei dem ein Arbeitnehmer regelmäßig zwischen 450,01 - 1.300 Euro brutto im Monat verdient (§ 20 (2) SGB (IV)). Diese Art von Beschäftigungsverhältnis wird zwischen einen Minijob und einer regulären Beschäftigung eingeordnet. Die Verdienstspanne bezeichnet man seit dem 1. Juli 2019 als „Übergangsbereich”. Zuvor wurde diese „Gleitzone” genannt, die nur bei einem monatlichen Arbeitsentgelt bis 850 Euro griff. 

Grundsätzlich ist ein Midijob zwar sozialversicherungspflichtig, aber meistens steuerfrei. Die Sozialabgaben fallen geringer aus als bei einem regulären Beschäftigungsverhältnis und richten sich nach dem konkreten Verdienst des Arbeitnehmers im Midijob-Verhältnis. Das Arbeitsentgelt im Übergangsbereich darf die obere Grenze nicht überschreiten.

Die Midijob-Regelungen gelten nicht für Auszubildende, Studenten in dualen Studiengängen, Praktikanten und Bufdis, die ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr absolvieren. Ebenso greifen sie nicht, wenn das Arbeitsentgelt aufgrund von Kurzarbeit für einen gewissen Zeitraum in diesen Entgeltbereich sinkt.

Die Bundesregierung führte den Midijob mit der Gleitzone im April 2003 im Zuge ihrer Hartz-Reformen ein, da bis dato jeder Mehrverdienst über die Minijob-Freigrenze hinaus mit derselben Sozialversicherungsabgabe wie für eine Vollzeitstelle belastet wurde (21 Prozent).


Warum Midijob?

Vor der Hartz-Reform in 2003 schien der mögliche Mehrverdienst im Minijob-Verhältnis für Arbeitnehmer wenig attraktiv, da ihnen durch die Sozialabgaben am Ende des Monats weniger vom Arbeitsentgelt übrig blieb, obwohl sie mehr gearbeitet hatten. Durch die Einführung des Midijobs verfolgt die Bundesregierung das Ziel, eine höhere Verdienstmöglichkeit anzubieten, die hinsichtlich der Sozialabgaben und gegebenenfalls der Steuern für den Arbeitnehmer vorteilhafter behandelt wird. Positive Nebeneffekte, die sich daraus ergeben, sind der Anreiz für Arbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert zu werden und die soziale Absicherung (insbesondere der Krankenversicherungsschutz) der Arbeitnehmer.


Was ist der Unterschied zwischen Midijob und Minijob?

Der grundlegende Unterschied zwischen Minijob und Midijob ist die unterschiedliche Verdienstspanne. Alle Unterschiede auf einen Blick:

Bezahlung

Minijob: Die Verdienstgrenze liegt bei maximal 450 Euro im Monat.
Midijob: Der Übergangsbereich liegt zwischen 450 Euro und 1.300 Euro im Monat.

Für beide Jobarten werden alle Verdienste zusammengerechnet, beispielsweise aus mehreren Jobs. Auch Sonder- oder Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld werden berücksichtigt. Man teilt sie durch zwölf und rechnet sie dem Monatsbrutto hinzu.

Sozialversicherung

Minijob: Höchstens Rentenbeiträge muss der Arbeitnehmer zahlen (hier ist sogar eine Befreiung möglich).
Midijob: Der Arbeitnehmer zahlt alle Sozialversicherungsabgaben – jedoch vergünstigt.

Steuern

Minijob: Der Lohn ist hier immer steuerfrei.
Midijob: Die Einnahmen muss man abhängig von der Steuerklasse versteuern (siehe unten).

Brutto-Entgelt

Minijob: Das Brutto-Gehalt entspricht dem Netto-Gehalt.
Midijob: Vom Brutto werden Sozialversicherungsabgaben und gegebenenfalls Steuern abgeführt.
 


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Welche Vorteile birgt ein Midijob?

Viele Arbeitnehmer sehen gerade seit der Erhebung der Verdienstobergrenze viele Vorteile im Konzept des Midijobs und dem Übergangsbereich.

1. Midijob Krankenversicherung und Pflegeversicherung

Ein Midijobber hat trotz der niedrigeren Beiträge, die er zahlt, Anspruch auf die volle Leistung seiner Krankenversicherung und Pflegeversicherung. Ebenso stehen ihm eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sowie Krankengeld bei einem längeren Ausfall zu.

2. Steuern

Bei einem Midijob fällt die Lohnsteuer nicht immer an (siehe unten). 

3. Arbeitslosenversicherung 

Auch die volle Leistung aus der Arbeitslosenversicherung steht Arbeitnehmern im Midijob-Verhältnis zu, wenn dieses länger als zwölf Monate am Stück besteht. Die Höhe entspricht 60 Prozent des durchschnittlichen Nettoverdienstes der letzten zwölf Monate für eine Dauer von einem Jahr. Hat der Midijobber Kinder, stehen im sogar 67 Prozent zu.

4. Midijob Rente

Obwohl ein Midijobber geringere Beiträge in die Rentenversicherung einzahlt, hat er auch hier vollen Rentenanspruch. Ebenso steht ihm eine Erwerbsminderungsrente zu.

5.  Midijob und Minijob kombinieren

Als Midijobber hat man die Möglichkeit, zusätzlich einen Minijob auszuüben und so bis zu 5.400 Euro im Jahr mehr zu verdienen. Auf den Verdienst der zulässigen Nebenbeschäftigung fallen keine Sozialabgaben oder Steuern an.

6. Weniger Sozialabgaben

Arbeitgeber zahlen für Midijobber prozentual weniger Sozialversicherungsbeiträge als für einen geringfügig-beschäftigten Mitarbeiter.

7. Attraktives Beschäftigungsverhältnis

Auch mit weniger Arbeitsstunden können Betriebe, die nicht genügend Arbeit für eine Teilzeit- oder Vollzeitstelle haben, durch eine Midijob-Stelle für Bewerber interessant sein.
 


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Was müssen Arbeitgeber bei einem Midijob beachten?

Folgende Aspekte sollten Arbeitgeber beachten, wenn sie einen Arbeitnehmer im Midijob-Verhältnis einstellen:


Wie hoch sind die Sozialversicherungsabgaben?

Das Besondere im Midijob ist, dass die Beiträge für die Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung jeweils getrennt berechnet werden. Der Beitragssatz der jeweiligen Kasse wird zwar zur Hälfte vom Arbeitgeber und zur anderen Hälfte vom Arbeitnehmer übernommen, jedoch sind die Beiträge für den Arbeitnehmer vergünstigt. Für den Arbeitgeber berechnet sich der Beitrag auf Basis des Monatsbruttos, während man beim Arbeitnehmer den Satz auf Grundlage des Gleitzeitzonentgelts berechnet (siehe unten).

 Alle Beiträge ermittelt man jedoch mit der gleichen Formel: 

Gesamtbeitrag = Gesamtbeitragssatz x Gleitzonenentgelt

Der Gesamtbeitrag entspricht den Kosten, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen an die Sozialversicherung zahlen müssen. Den allgemeinen Beitragssatz setzt die jeweilige Kasse selber fest. Das Gleitzonenentgelt berechnet man für den Arbeitnehmer individuell auf Basis seines tatsächlichen Lohnes.

Um die verringerten Sozialversicherungsbeiträge des Midijobbers zu ermitteln, berechnet man zunächst das Gleitzonenentgelt mit Hilfe einer Formel. Der Gesetzgeber hält die Formel für die gesetzliche Rentenversicherung in § 163 (10) SGB (VI) fest. Ziel ist es, durch die Beitragsberechnung auf Basis des Geitzonenentgelts Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor zu entlasten. Die Formel beziehungsweise den darin enthaltenen Faktor gibt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales jährlich zum 1. Januar vor.

Berechnung der Bemessungsgrundlage/des Gleitzonenentgelts

Formel für die Bemessungsgrundlage für Arbeitnehmerbeiträge:

F x 450 + ([1300/(1300-450)] - [450/(1300-450)] x F) x (Arbeitsentgelt - 450) = Bemessungsgrundlage für die Arbeitnehmerbeiträge/Gleitzonenentgelt

F entspricht für das Jahr 2021 dem Faktor 0,7509

Verkürzte Formel:

1,13876 x Arbeitsentgelt - 171,43941 = Bemessungsgrundlage für die Arbeitnehmerbeiträge/Gleitzonenentgelt


Beispiel

Gleitzonenentgelt ermitteln:

Andi hat zwei Kinder und verdient monatlich 700 Euro. Um herauszufinden, wie hoch seine Sozialversicherungsabgaben sind, muss mit Hilfe der Formel zunächst die reduzierte Bemessungsgrundlage berechnet werden. 

F x 450 + ([1300/(1300-450)] - [450/(1300-450)] x F) x (700- 450) 

1,13876 x 700 - 171,43941 = 625,65

Das ergibt ein Gleitzonenentgelt von 625,65 Euro.

Beispiel Krankenversicherungsbeitrag ermitteln:

Um nun mit dem Gleitzonenentgelt die Abgaben für die Krankenversicherung zu ermitteln, benötigt man den Beitragssatz der Krankenkasse. Andis Krankenkasse hat für 2021 einen Satz von 15,5 Prozent festgesetzt.

Gesamtbeitrag = Gesamtbeitragssatz x Gleitzonenentgelt

15,5 % x 625,65 = 96,96 Euro Gesamtbeitrag

Andi und sein Arbeitgeber zahlen beide zusammen für seine gesetzliche Krankenversicherung 96,96 Euro monatlich. Sollte sich sein Monatslohn ändern, ändert sich entsprechend das Gleitzonenentgelt und damit schließlich auch die Höhe des Krankenversicherungsbeitrags, den beide Parteien zahlen.


Sonderfall Krankenversicherung

Für alle anderen Sozialversicherungen ist die Berechnung oben beendet. Im Fall der Krankenversicherung muss der Arbeitnehmer einen Zusatzbeitrag zahlen. Im Normalfall beträgt dieser ein Prozent des Gleitzonenentgelts, aber jede Krankenkasse legt ihren Zusatzbeitrag selber fest:

Zusatzbeitrag = Gesamtbeitrag x 1 %

625,65 Euro Gleitzonenentgelt x 1 % = 6,26 € Zusatzbeitrag


Arbeitgeberanteil

Den Arbeitgeberanteil der Sozialversicherungsabgaben berechnet man aus der Hälfte des Gesamtbeitragssatzes der jeweiligen Kasse:

Arbeitgeberanteil = Monatsbrutto x Beitragssatz

Beispiel Arbeitgeberanteil ermitteln:

Für die Berechnung sind Andis Bruttogehalt (700 €) und der Satz der Krankenkasse (15,5 % ) relevant. Der Arbeitgeber übernimmt den halben Beitragssatz: 7,25 %.

700 € Monatsbrutto x 7,25 % Arbeitgeber-Beitragssatz = 50,75 € Arbeitgeberanteil des Krankenversicherungsbeitrags


Arbeitnehmeranteil

Den Arbeitnehmeranteil berechnet man, indem man vom fälligen Gesamtbeitrag (96,96 €) den Arbeitgeberanteil (50,75 €) abzieht:

Arbeitnehmeranteil = Gesamtbeitrag – Arbeitgeberanteil

96,96 € Gesamtbeitrag - 50,75 € Arbeitgeberanteil = 46,21 € Arbeitnehmeranteil des Krankenversicherungsbeitrags


Wo wird ein Midijob angemeldet?

Anders als beim Minijob, den der Arbeitgeber bei der Minijob-Zentrale anmeldet, ist die Anmeldung eines Midijobs aufwendiger. Der Arbeitgeber muss diesen bei allen Sozialversicherungsträgern anmelden.


Wie viel Urlaubsanspruch hat man im Midijob?

Arbeitnehmern in einem Midijob-Verhältnis steht mindestens der gesetzliche Urlaubsanspruch zu. Dieser ist abhängig von den Arbeitstagen pro Woche:

24 Urlaubstage bei einer 6-Tage-Woche

20 Urlaubstage bei einer 5-Tage-Woche

16 Urlaubstage bei einer 4-Tage-Woche

12 Urlaubstage bei einer 3-Tage-Woche

8 Urlaubstage bei einer 2-Tage-Woche

Darüber hinaus steht es dem Arbeitgeber frei, zusätzliche Urlaubstage zu gewähren.


Wie viele Stunden darf im Midijob gearbeitet werden?

Eine konkrete Beschränkung der Anzahl von Arbeitsstunden gibt es grundsätzlich nicht. Da allerdings der Stundenlohn eines Midijobbers nicht unter dem gesetzlichen Mindestlohn von 9,50 Euro (Stand 2021) liegen darf, kann der Arbeitnehmer bis zu 136 Stunden im Monat arbeiten, ohne die Obergrenze des Übergangsbereiches zu überschreiten. Hat ein Midijobber einen höheren Stundenlohn, reduzieren sich die monatlichen Arbeitsstunden entsprechend.


Bonustipp: Wie kündigt man im Midijob?

Im Rahmen von Midijobs gibt es keine Besonderheiten hinsichtlich einer Kündigung. Es gelten die gesetzlichen oder vertraglich vereinbarten Kündigungsfristen für beide Parteien.


Wie verhalten sich die Steuern im Midijob?

Ob ein Midijobber sein Arbeitsentgelt versteuern muss, hängt von seiner Steuerklasse ab. Ist der Mitarbeiter in der Lohnsteuerklasse 1 bis 4, ist sein Verdienst aus dem Midijob-Verhältnis steuerfrei. 

Befindet er sich jedoch in der Lohnsteuerklasse 5, weil sein Ehepartner Steuerklasse 3 hat, ist der Lohn steuerpflichtig. Führt ein Arbeitnehmer einen Midijob zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung aus, wird das Gehalt aus dem Midijob nach Steuerklasse 6 versteuert.

Bonustipp für Sie:

Sind Sie selbstständig oder arbeiten freiberuflich und treten einen Midijob an, kann für diesen auch die Steuerklasse 1-5 gelten.


Arbeitslosengeld und Midijob?

Da Midijobber Sozialabgaben leisten und in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, steht ihnen Arbeitslosengeld zu, sofern sie ein Jahr am Stück gearbeitet haben. 

Hartz IV-Empfänger haben grundsätzlich die Möglichkeit, einen Midijob auszuüben. Dabei kann es allerdings sein, dass das Arbeitsentgelt aus dem Midijob auf den Hartz IV-Regelsatz angerechnet wird. Generell wird ein Grundfreibetrag in Höhe von 100 Euro gewährt. Bei einem Einkommen über 100 Euro bis zu 1000 Euro bleiben 20 Prozent des Arbeitsentgelts anrechnungsfrei, während der Rest auf den Hartz IV-Regelsatz angerechnet wird.


Student und Midijob?

Auch Studenten sind befugt, einen Midijob auszuüben, ohne dass ihnen Abzüge vom Kindergeld drohen. Dazu müssen sie allerdings beachten, nicht mehr als 20 Stunden pro Woche zu arbeiten.

Hinsichtlich des BAföG sieht es anders aus: Da die Obergrenze für ein Einkommen bei 5.400 Euro im Jahr liegt (entspricht pro Monat ca. 450 Euro), würden die Einkünfte des Midijobs diese überschreiten. Entsprechend müssten Studenten mit Abzügen rechnen.


Katharina Bensch


Katharina Bensch ist die clockodo-Expertin für Themen rund um den Arbeitsalltag.
Mit Fachwissen zu rechtlichen Arbeitsthemen und vielfältiger Erfahrung als Redakteurin betreut sie das clockodo-Info-Portal.


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