Wochenarbeitszeit: Geregelte Arbeitszeiten waren gestern


Von neun bis fünf – früher ein üblicher Arbeitstag – sitzt heute kaum noch jemand im Büro. Häufig fallen Überstunden an und viele Erwerbstätige arbeiten abends oder am Wochenende. Was sind überhaupt geregelte Arbeitszeiten? Wer arbeitet länger? Und wie ist heutzutage die zulässige maximale Arbeitszeit?

Die Arbeitszeiten haben sich in den letzten Jahren gewandelt. Von neun bis fünf arbeiten, das war einmal. Viele Menschen fangen später an, bleiben länger und arbeiten abends oder am Wochenende. In der Praxis dehnen Unternehmen das Arbeitszeitgesetz aus. Geregelte Arbeitszeiten und flexible Arbeitszeitmodelle erhöhen jedoch die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Was für Selbstständige normal ist, wird auch für Arbeitnehmer häufiger Alltag: Über 48 Arbeitsstunden pro Woche und wenig Überstundenabbau. Die Zeiten, in denen 35 oder weniger Stunden pro Woche gearbeitet wurde sind lange vorbei.



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Was sind geregelte Arbeitszeiten?

Im Arbeitsvertrag ist meist eine Wochenarbeitszeit angegeben. Bei fünf Arbeitstagen vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer oft 40 Stunden, bei sechs Tagen 48 Stunden. Die Realität sieht häufig anders aus und es fallen Überstunden an, die darüber hinausgehen. Zusätzlich zur Anzahl der Stunden spielt auch die Lage der Arbeitszeit eine Rolle für die Regelung. Ob Mitarbeiter die Stunden zu fest vereinbarten Zeiten abarbeiten oder sich in Gleitzeitmodellen selbst organisieren ist unterschiedlich. Die Vereinbarungen stehen im Arbeitsvertrag und auch der Umgang mit Überstunden oder eine Arbeitszeiterfassung finden dort seinen Platz. Diese bauen Angestellte ab oder bekommen einen Freizeitausgleich beziehungsweise eine entsprechende Vergütung. 

In Zukunft ist die Arbeitzeiterfassung nach einem EuGH-Urteil in der Europäischen Union für alle Pflicht. Die genaue Umsetzung ist noch nicht geregelt.


Wer arbeitet wie lange?

Anzahl der Arbeitsstunden

Die Wochenarbeitszeit in Deutschland ist im Durchschnitt auf 35,0 Stunden (2017) gesunken, schreibt das Statistische Bundesamt. Die Arbeitszeiten sind rückläufig, waren es 1991 noch 38,4 Stunden. Gleichzeitig aber stieg der Anteil der Erwerbstätigkeiten in Teilzeit von 14 auf 28 Prozent. Einzeln betrachtet arbeiten Vollzeitkräfte im Schnitt 41,2 Stunden und Teilzeitkräfte 19,1 Stunden.

Gemessen an einer typischen Sechstagewoche mit 48 Stunden arbeiten 2017 10,7 Prozent der Erwerbstätigen zu viel. Darunter sind doppelt so viele Männer wie Frauen. Auffällig ist, dass besonders ältere Menschen länger arbeiten: Zwischen 15 und 24 Jahren sind es zwei Prozent, zwischen 55 und 64 Jahren 13,6. Nicht überraschend ist, dass die Berufsgruppe der Selbstständigen am häufigsten mehr als 48 Stunden arbeitet (49,2 Prozent der Selbstständigen). Besonders Selbstständige mit Beschäftigten arbeiten viel: 60,2 Prozent von ihnen mehr als 48 Stunden pro Woche.

„Überlang“ nennt das Statistische Bundesamt die Arbeitszeit über 48 Stunden und richtet sich dabei nach internationalen Konventionen. Das Amt schreibt: „Zu lange Arbeitszeiten können belastend sein, da nicht genügend Zeit für das Privatleben zur Verfügung steht.“ Für eine gute Arbeitsatmosphäre ist es notwendig, dass die Arbeitnehmer zufrieden sind. Geregelte Arbeitszeiten tragen dazu bei, wohingegen Überstunden die Gesundheit beeinträchtigen und Stress am Arbeitsplatz fördern.

Da Arbeitgeber auch innerhalb einer Branche unterschiedliche Vorstellungen haben, variieren die Arbeitszeiten. Das Statistische Bundesamt schreibt, dass Leitungs- und Führungspositionen häufig Mehrarbeit leisten (33,2 Prozent in Vollzeit) sowie Fachkräfte in der Landwirtschaft (34,2 Prozent) und Menschen mit akademischen Berufen (16,1 Prozent). Eher selten fallen Überstunden statistisch bei Hilfsarbeitskräften (2,9 Prozent), Bürokräften (4,1 Prozent) und bei Handwerkern (2,9 Prozent) an.

Ungewöhnliche Arbeitszeiten: Arbeitszeit am Wochenende

19,8 Prozent aller Erwerbstätigen arbeiteten 2017 regelmäßig in der Zeit von 18 bis 23 Uhr, so das Statistische Bundesamt. 1992 waren es nur 15 Prozent. Doch fallen darunter nicht nur Selbstständige: Auch bei Arbeitnehmern allein liegt der Wert bei 18,2 Prozent (1992 noch bei 13 Prozent). Nachts, zwischen 23 und 6 Uhr, gehen 2017 5,1 Prozent einem Job nach.

Im Jahr 2017 arbeiteten 25,2 Prozent der Erwerbstätigen samstags, 1992 taten dies nur 20 Prozent. Auch sonntags arbeiten mehr Menschen: 10,0 Prozent aus dem Jahre 1992 stehen 2017 13,1 Prozent gegenüber. Auch bei der Arbeitszeit am Wochenende sind die Selbstständigen mit Beschäftigten die Spitzenreiter. 55,3 Prozent von ihnen arbeiten samstags, 25,9 Prozent sonntags.

2017 hatten 5,4 Prozent aller Arbeitenden einen Zweitjob, in dem sie im Schnitt 8,2 Stunden pro Woche arbeiten. 36 Prozent der Zweitjobber sind selbstständig.
 


Deutsche liegen unter dem europäischen Schnitt

Verglichen mit anderen Ländern in Europa liegt Deutschland laut Statistischem Bundesamt bei der täglichen Arbeitszeit im unteren Drittel. Mit den 35 Stunden liegt die BRD unter dem Durchschnitt von 37,1 Stunden. Die Schweizer arbeiten im Schnitt 34,7 Stunden, die Österreicher 36,4 pro Woche.


Wie viele Stunden darf eigentlich gearbeitet werden?

Das Arbeitszeitgesetz legt die Höchstzahl an Arbeitsstunden pro Tag fest. Für Angestellte gilt ein Arbeitstag von höchstens acht Stunden. Für eine Sechstagewoche sind das 48 Stunden pro Woche. Bei einer Notwendigkeit verlängern die Arbeitnehmer den Tag auf maximal zehn Stunden. Das Gesetz schreibt vor, solche Überstunden innerhalb von sechs Monaten beziehungsweise 24 Wochen wieder abzubauen. So halten Mitarbeiter in dieser Zeitspanne die acht Stunden im Durchschnitt ein. Zusätzlich ist zwischen zwei Arbeitstagen eine Ruhepause von elf Stunden zwingend.

Der Durchschnitt von 41,2 Stunden pro Arbeitswoche ist bei vereinbarten 40 Stunden also nicht fortlaufend erlaubt. Leitende Angestellte, Chefärzte, Pfleger im Haushalt der bedürftigen Person und Mitglieder des Betriebsrats sind vom Arbeitszeitgesetz ausgenommen. Für Jugendliche und Schwangere gelten strengere Regeln ohne Überstunden. Sonntagsarbeit sieht das Gesetz nur in Sonderfällen vor. Für manche Berufe gelten per Tarifvertrag andere Regelungen für die maximale Arbeitszeit.

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