Wie viele Überstunden sind erlaubt? Foto: © alphaspirit - Fotolia.com
Wie viele Überstunden sind erlaubt? Foto: © alphaspirit - Fotolia.com

Zwei Drittel aller Berufstätigen machen Überstunden

  • Magazin
  • 06.10.2015

Auf der einen Seite steht der Arbeitgeber, der vor allem aufgrund großer Aufträge schnell in Not kommt und seinen Angestellten lästige Überstunden aufdrückt. Auf der anderen Seite steht der Arbeitnehmer, der dem Chef diesbezüglich sicherlich gerne entgegenkommt, allerdings Fairness erwartet. Immer wieder gibt es in Unternehmen auf diesen Tatsachen beruhende Auseinandersetzungen. Laut einer Untersuchung von „gehalt.de“ arbeiten zwei Drittel aller Berufstätigen regelmäßig länger als vereinbart. Nur jeder Vierte erhält dafür eine Entschädigung.

Auch die EU-Agentur „Eurofound“ beschäftigte sich in einer Studie mit dem Thema Überstunden. 2 Stunden und 36 Minuten arbeitet ein Arbeitnehmer in Deutschland wöchentlich länger, als er muss. Im Durchschnitt sind 37,7 Stunden pro Woche vereinbart, tatsächlich arbeitet der durchschnittliche Deutsche allerdings 40,3 Stunden. In keinem anderen EU-Land machen Arbeitnehmer so viele Überstunden wie in Deutschland.

Existiert eine gesetzliche Regelung der Überstunden?

Nein. Und genau das ist das Problem. Es gibt keine festgehaltenen Gesetze, an die sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber halten können. Sofern es keine ausdrückliche Vereinbarung zwischen den Parteien gibt, kann der Arbeitnehmer die Mehrarbeit ablehnen. Doch kaum einer macht dies auch. Denn wer riskiert schon seinen Ruf im Unternehmen? Sollte keine Vereinbarung bezüglich der Überstunden bestehen, dann müssen Mitarbeiter nur in Notfällen oder anderen unvorhersehbaren Fällen Überstunden leisten. Die Treuepflicht gegenüber dem Arbeitgebers (§ 14 Abs. 1 Arbeitszeitgesetz) schreibt dies vor. Darunter fallen zum Beispiel ein Rohrbruch oder ein Maschinenausfall. Der Ausfall von Arbeitskräften, plötzlich auftretende Aufträge und ein streikbedingter Ausfall fallen nicht unter die Treuepflicht. Dementsprechend kann der Arbeitgeber in diesen Fällen auch keine Maßnahmen ergreifen.

Zumindest das Maximum von Überstunden ist gesetzlich geregelt. Mehr als 10 Stunden pro Tag darf ein Mitarbeiter nicht arbeiten. Pro Woche sind im Halbjahresschnitt lediglich 48 Stunden erlaubt. Zusätzlich zu den üblichen Pausenzeiten müssen mindestens 11 Stunden zwischen Arbeitsende und -beginn liegen. Die Dokumentation von Überstunden muss, gesetzlich festgehalten, der Arbeitgeber übernehmen. Allerdings sollten sich aus Sicherheitsgründen beide Parteien um die Arbeitszeiterfassung bemühen. Sollte der Arbeitgeber aufgrund seiner Praxis beim Handling der Überstunden gegen Gesetze verstoßen, droht ihm ein Bußgeld von bis zu 15.000 Euro.

Kommunikation ist das A und O

Ein Urteil vom 16. Mai 2012 (Aktenzeichen 5 AZR 331/11) zeigt die Wichtigkeit von Vereinbarungen, auch mündlicher Natur. Ein Kaufmann hat mit seinem Arbeitgeber vereinbart, bis zu 20 Überstunden pro Monat zu leisten. Seine Forderung nach Vergütung der Überstunden wurde aufgrund der mündlichen Vereinbarung abgelehnt.

Ein Urteil vom 22. Februar 2012 (Aktenzeichen 5 AZR 765/10): Ein Lagerarbeiter mit einem Brutto-Monatslohn von 1.800 Euro verlangte nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses die Vergütung seiner fast 1.000 Überstunden. Obwohl es die Vereinbarung gab, je nach betrieblichen Erfordernissen Überstunden ohne besondere Vergütung zu leisten, stufte das Gericht die Vereinbarung als nicht klar und verständlich ein.

Dazu hat sicherlich beigetragen, dass die Überstunden auch an Sonn- und Feiertagen zu leisten waren. Das Bundesarbeitsgericht entschied zugunsten des Mitarbeiters.

Auch die Höhe des Gehaltes und der Brauch der Branche machen vor Gericht einen Unterschied. In manchen Fällen entschied das Bundesarbeitsgericht, dass eine zusätzliche Vergütung von Überstunden in Kombination mit einem üppigen Gehalt unüblich ist. Bei einem branchenspezifisch hohen Gehalt ist eher davon auszugehen, dass Mehrarbeit ohne Vergütung erfolgen muss.

Und bei Auszubildenden?

Bei Auszubildenden ist die Rechtslage klarer. Müssen Auszubildende Überstunden machen, müssen sie dies nicht hinnehmen. Für mehr geleistete Arbeit steht ihnen ein Ausgleich zu. Das heißt, dass sie entweder extra vergütet werden oder einen Freizeitausgleich erhalten müssen. Jugendliche dürfen nicht mehr als acht Stunden pro Tag und 40 Stunden in der Woche arbeiten. Volljährige Azubis dürfen an maximal sechs Tagen in der Woche bis zu acht Stunden arbeiten, also maximal 48 Stunden pro Woche. Allerdings kann die Arbeitszeit vorübergehend auf zehn Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich angepasst werden. Bei diesen komplexen Regularien ist die Zeiterfassung ein zwingender Baustein.

Um Streitereien aus dem Weg zu gehen, ist Arbeitnehmer und Arbeitgeber dazu zu raten, die Regelung der Überstunden kleinlich festzulegen. Im Arbeitsvertrag sollte konkret festgehalten werden, wie viele Überstunden monatlich mit dem Gehalt abgegolten sind.

Insofern ein Tarifvertrag existiert, gelten die in diesem festgehaltenen Regelungen. Tarifverträge gelten immer vor individuellen Arbeitsverträgen. Es sei denn, der Arbeitsvertrag hat für den Mitarbeiter bessere Auswirkungen.

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Schon jetzt sind über Ihre clockodo-Umgebung detaillierte Berichte einsehbar, die Sie über die aktuellen Wochenstunden Ihrer Mitarbeiter informieren. Dazu wählen Sie auf der Berichtsseite im Kalender zum Beispiel "Letzter Monat" aus und ziehen die Icons "Woche" und "Mitarbeiter" nach links in Richtung der Heftzwecke. Zum speichern dieser Vorlage klicken Sie auf die Heftzwecke links über den Berichten.

Da wir Sie als Arbeitgeber auch in puncto Überstundendokumentation unterstützen möchten, planen wir gerade an einem umfangreichen Mitarbeiter-Modul. In diesem können sie die vereinbarte Arbeitszeit eines jeden Mitarbeiters festhalten, seine genutzten und verbleibenden Urlaubstage und seine Krankheitstage einsehen. So wird Ihnen zu jeder Zeit angezeigt: Ist der Mitarbeiter mit seinem Stundenkonto im Plus? In den nächsten Monaten steht Ihnen die neue Funktion zur Verfügung. Wir halten Sie auf dem Laufenden.


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