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Teilzeit: Immer mehr befristete Beschäftigungen

  • Magazin
  • 17.02.2016

Die Arbeitszeiterfassung war schon immer ein wichtiger Bestandteil der Arbeitswelt. Auch lassen sich aus ihr interessante Fakten filtern: Laut des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) arbeiten in Deutschland 27,9 Prozent der Beschäftigten „atypisch“. Darunter fallen befristete oder Teilzeit-Jobs, Zeitarbeit und/oder Minijobs. Bei den unter 25-Jährigen betrifft dies sogar 46,4 Prozent.

In Deutschland gibt es immer mehr befristete Beschäftigungen. Das geht aus einer Umfrage hervor, die der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Auftrag gegeben hat. Zwar habe die Pro-Kopf-Arbeitszeit seit dem Jahr 2000 kontinuierlich abgenommen, doch wirken die aktuellen Zahlen bedrohlich: 27,9 Prozent der Beschäftigten haben entweder einen befristeten, einen Teilzeit- oder einen Minijob oder sind bei einem Zeitarbeitsunternehmen angestellt. Bei den unter 25-Jährigen sind es sogar 46,4 Prozent, die sich in einer atypischen Beschäftigung befinden.

Auch bei den Befristungen geht die Grätsche zwischen älteren und jüngeren Menschen deutlich auseinander. Sind es bei den über 35-Jährigen nur fünf Prozent, die befristet angestellt sind, ist die Quote bei den unter 35-Jährigen mit 16,2 Prozent mehr als dreimal so groß.

Schwierige Arbeitssituation führt zu moralischer Belastung

Die Einschränkungen dieser beklemmenden Situation reichen bis ins Privatleben: Laut der Umfrage des DGB fühlen sich nach eigener Aussage fast zwei von drei unter 35-jährigen Beschäftigten belastet. Die größte Sorge sei die spätere Rente, die sie als nicht ausreichend einschätzen. Doch auch bei den über 35-Jährigen empfinden 53,2 Prozent die gleichen Faktoren als belastend.

Doch warum gibt es so viele atypische Beschäftigungen? Ganz einfach: Der Gesetzgeber gibt vor, dass ein Vertrag auf bis zu zwei Jahre begrenzt werden kann, ohne dass die Befristung begründet werden muss. Innerhalb dieser Zeit können befristete Verträge bis zu dreimal verlängert werden.

Laut der DGB-Umfrage hat jeder dritte Beschäftigte unter 35 Jahren ein monatliches Bruttoeinkommen von weniger als 1.500 Euro. Fast ein Drittel verdienen mehr als 2.500 Euro, wenngleich das durchschnittliche Einkommen bei 1.855 Euro liegt. Bei den Beschäftigten über 35 liegt das Durchschnittseinkommen bei 2.717 Euro. In beiden Altersgruppen ist rund jeder Dritte mit seinem Gehalt unzufrieden.

61 Prozent machen regelmäßig Überstunden

DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller ist besorgt: „Junge Menschen sind im Job enorm unter Druck. Alarmierend sind diese Werte auch deshalb, weil die Fehlerhäufigkeit unter diesen Bedingungen zunimmt", so Haggenmiller. 61 Prozent der unter 35-Jährigen macht regelmäßig Überstunden. Und auch die Krankheitszahlen zeigen die Überbelastung: „Über 65 Prozent sind in den letzten 12 Monaten krank zur Arbeit gegangen“, so Haggenmiller. Auch aus der Politik gibt es alarmierende Kommentare. Linke-Chef Bernd Riexinger kritisierte: „Wer eine Familie will, muss sich dafür ohne eine auch nur halbwegs gesicherte Zukunftsperspektive entscheiden.


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