Wer bei der Zeiterfassung schummelt, kann seinen Job verlieren. Foto: ©iStock.com/vetkit
Wer bei der Zeiterfassung schummelt, kann seinen Job verlieren. Foto: ©iStock.com/vetkit

Täuschung bei der Zeiterfassung kostet Job

  • Magazin
  • 11.06.2015

Wie eine US-amerikanische Consultingfirma herausfand, tricksen immer mehr Arbeitnehmer bei der Zeiterfassung. Verständlich, sagen viele Experten angesichts der steigenden Arbeitszeiten. Viel mehr als ein Kavaliersdelikt, sagen andere. Und genau das bestätigte das Landesarbeitsgericht in Düsseldorf, indem es die fristlose Kündigung eines Mitarbeiters nach mehr als 25-jähriger Unternehmenszugehörigkeit bestätigte, weil dieser bei der Zeiterfassung trickste.

Vertrauensbruch wiegt schwerer als Betriebszugehörigkeit

Der Fall (Az.: 16 Sa 1299/13): Seit mehr als 25 Jahren war der 46-jährige Kläger in einer Großmetzgerei beschäftigt, welche die Zeiterfassung über einen Chip bedient. Der Kläger wurde dabei beobachtet, dass er den Chip in seinem Portemonnaie ließ und dieses zusätzlich abschirmte, damit das Zeiterfassungsgerät sein Verlassen des Produktionsbereiches und das Wiedereintreten nicht registriert. Wie der Arbeitgeber feststellte, hat der Kläger mit diesem Schema in 1,5 Monaten Pausen von insgesamt mehr als 3,5 Stunden gemacht. Da die Zeiterfassung piept, wenn sich ein Mitarbeiter an- oder abmeldet, galt auch ein Versehen des Klägers als ausgeschlossen. Arbeitsgericht und Landesarbeitsgericht hielten die fristlose Kündigung wegen Arbeitszeitbetrugs für gerechtfertigt. Der Vertrauensbruch wiege schwerer als die lange Betriebszugehörigkeit. Das Hessische Landesarbeitsgericht hat die Revision zum Bundesarbeitsgericht nicht zugelassen.

Auch moderne Zeiterfassung ist nicht betrugssicher

Vor allem neue Technologien und Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt unterstützen den Betrug bei der Zeiterfassung. Schließlich heißt es noch lange nicht, dass man tatsächlich arbeitet, wenn man im E-Mail-Client angemeldet ist. Auch Regelungen wie Gleitzeit und Durchrechnung oder Modelle wie Außendienst und Homeoffice ermöglichen die Täuschung seitens des Arbeitnehmers. Je nach Vertrag und Unternehmen gibt es kleinere oder größere Freiheiten in der Arbeitszeiterfassung.

Wie die US-amerikanische Consultingfirma außerdem in ihren Interviews mit Arbeitnehmern feststellte, bilden sich oftmals Teams, die sich gegenseitig dabei helfen, der Arbeit ein paar Stunden früher zu entkommen.

Selbst eine einwandfreie Zeiterfassung kann dem Arbeitgeber das korrekte Arbeiten des Arbeitnehmers nicht garantieren. Denn schließlich kann dieser auch trotz der erfassten Arbeitszeit an seinem Computer träumen, seine Maschine vernachlässigen oder den Kunden vergraulen.

Egal wo und in welcher Form die Zeiterfassung eingesetzt wird, sicher vor dem Betrug ist sie nie. Ein beliebtes Beispiel dafür ist die Abgabe der Zeiterfassungskarte eines Arbeitnehmers an einen anderen Arbeitnehmer, der sie bei seiner Zeiterfassung ebenfalls „durchzieht“. Meistens, so fand die Consultingfirma heraus, waren dies Eltern kleiner Kinder. Denn es zeigte sich: Wer um Zeitausgleich oder Rücksicht bat, erhielt schlechtere Arbeitszeugnisse.

Doch auch dem Arbeitnehmer kann die Zeiterfassung entgegenkommen, sollten geleistete Überstunden nicht korrekt bezahlt werden. Denn sie gilt auch in diesem Fall als Beweis vor Gericht.


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