Foto: ©iStock.com/René Jansa
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Immer mehr Arbeitnehmer sind unzufrieden

  • Magazin
  • 09.05.2016

Wie mehrere Studien herausfanden, sind Arbeitnehmer in Deutschland immer unzufriedener. Das liegt vor allem daran, dass die sogenannte Work-Life-Balance immer wichtiger wird. Außerdem zwingt auch der Fachkräftemangel die Unternehmen dazu, den modernen Zeiten Tribut zu zollen und innovativer zu werden.

Die Zeiten, in denen potenzielle Arbeitnehmer ein Vorstellungsgespräch wahrnehmen, einige Minuten lang nicken und im Anschluss unterschreiben, sind vorbei. Die Work-Life-Balance spielt bei der modernen Generation eine immer größere Rolle. Interessenten stellen an einen Arbeitgeber immer mehr Anforderungen auch jenseits des Gehaltswunsches. Selbst XING-Chef Thomas Vollmoeller bestätigt diese Entwicklung in einem Interview mit der WELT: "Als ich eine Bewerberin aus Süddeutschland für eine Traineestelle bei uns in Hamburg interviewte, hat sie mir einen Fragenkatalog vorgelegt." Genaue Inhalte: Gebe es eine Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr? Wie sehe es mit einem möglichen Sabbatical aus? Laut Vollmoeller reicht es nicht mehr nur, sich als Arbeitgeber nach außen hin zu präsentieren. Vor allem im Inneren müssten Veränderungen stattfinden, so der XING-Chef.

Die Work-Life-Balance ist in der Wohlstandsgesellschaft ein großes Thema

Fakt ist: In der ausgeprägten Wohlstandsgesellschaft, in der wir uns befinden, wird die Work-Life-Balance immer wichtiger. Die jungen Generationen haben keine Lust darauf, 12-15 Stunden pro Tag zu arbeiten. Auch möchten sie sich nicht verbiegen. Sie wünschen sich einen Job, der zu ihnen passt. Für die Unternehmen ist das doppelt schwierig. Denn gerade in Zeiten des Fachkräftemangels müssen diese sich überlegen, wie sie die richtigen Arbeitnehmer zur richtigen Zeit an ihr Unternehmen binden. Vielleicht ist es sogar des Öfteren an der Zeit, die Potenziale eines Arbeitnehmers zu analysieren und ihn nicht nur daran zu messen, was er bereits kann.

Wie die ManpowerGroup in einer Umfrage unter 1.015 deutschen Arbeitnehmer herausfand, bemängeln 87 Prozent davon, dass es bei ihrem aktuellen Arbeitgeber keine professionelle Karriereförderung gebe. Viele Angestellte fühlen sich in ihrem Job also zu schlecht auf die Zukunft vorbereitet. Doch wie findet man genau das als Arbeitgeber heraus? Woher soll ich wissen, ob meine Arbeitnehmer unzufrieden mit dem Unternehmen sind? Darauf hat XING eine gute Antwort: Einmal pro Woche führt das Unternehmen eine anonyme Mitarbeiterbefragung durch. Auf der einen Seite können sich die Angestellten zum Unternehmen und seinen Kunden äußern. Auf der anderen Seite ist es den Mitarbeitern darüber hinaus möglich, XING als Arbeitgeber zu bewerten. Neben bis zu 140 Zeichen langen Kommentare vergeben die XING-Mitarbeiter außerdem ein Smiley oder ein Frowny.

Arbeitssituation nur für rund ein Fünftel ideal

Auch aus einer vom Bundesarbeitsministerium geförderten Studie geht hervor, dass viele Arbeitnehmer mit ihrer aktuellen Arbeitssituation unzufrieden sind. Demnach entspricht die Arbeitssituation nur für rund ein Fünftel dem persönlichen Ideal. 45 Prozent sehen sich allerdings weit davon entfernt. Wie die Studie zeigt, hat sich die reale Arbeitswelt seit den 90er-Jahren immer weiter von den Wunschvorstellungen der Arbeitnehmer entfernt.

Das führte unter anderem dazu, dass sich die Bedeutung von Nebenjobs verändert hat. Zwischen 2006 und 2015 stieg die Zahl derer, die im Nebenjob einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen, um 52 Prozent. Wie die Thüringer Allgemeine berichtete, erhöhte sich die Zahl von 1,63 auf 2,48 Millionen.

Wie die Studie der ManpowerGroup zeigt, wächst durch die steigende Unzufriedenheit im Job die Bereitschaft, sich beruflich umzuorientieren. Demnach erwägen 45 Prozent der Angestellten, ihren Job innerhalb der nächsten 12 Monate zu wechseln. Rund jeder Vierte sucht eine besser bezahlte Position. 14 Prozent der Arbeitnehmer treibt der Wunsch nach Abwechslung, 13 Prozent wünschen sich mehr Anerkennung. "Die Unternehmen sind gefordert, die Themen Wertschätzung und interne Karriereplanung voranzutreiben, um Fachkräfte zu halten", sagt Herwarth Brune, Geschäftsführer der ManpowerGroup Deutschland. Das zeige sich schon bei Kleinigkeiten. So gebe es auch immer weniger kleinere Wertschätzungen für die Mitarbeiter, wie zum Beispiel kostenloses Obst oder Süßigkeiten.

Nur 16 Prozent haben hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber

Das zeigt auch die Studie des Beratungsunternehmens Gallup, laut dieser nur 16 Prozent der deutschen Beschäftigten eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber aufweisen. Das bedeutet, dass auch nur diese 16 Prozent der Arbeitnehmer bereit sind, sich vollumfänglich für die Ziele des Arbeitgebers einzusetzen. Der Rest leistet offensichtlich lediglich Dienst nach Vorschrift. Gallup berechnet daraus einen Schaden von mehr als 100 Milliarden Euro im Jahr – allein für die deutsche Volkswirtschaft.

Allerdings, nun mal etwas Positives, erwartet fast die Hälfte der Befragten, dass die eigene Arbeitssituation im Jahr 2030 nah an ihrem Idealbild liegen wird. Vor allem, was Mitgestaltungs- und Entfaltungsmöglichkeiten betrifft, haben viele Angestellten durchaus positive Erwartungen an ihre berufliche Zukunft.


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