Foto: ©iStock.com/AlexRaths
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Deutsche Arbeitnehmer sind öfter und länger krank

  • Magazin
  • 20.09.2016

Im ersten Halbjahr 2016 fehlten deutsche Arbeitnehmer im Schnitt 12,3 Tage aufgrund von Krankheit. Das lag vor allem an zwei Krankheitsarten. Die Daten gehen aus einer Analyse der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor, welche 2,6 Millionen Versichertendaten auswertete.

Offenbar gehen immer weniger Beschäftigte krank zur Arbeit. Wo früher noch Rückenschmerzen ignoriert und verschleimte Nasen ignoriert wurden, melden sich heute viele Arbeitnehmer krank. Im ersten Halbjahr 2016 fehlten Beschäftigte so oft aufgrund einer Krankmeldung wie seit 20 Jahren nicht mehr. Durchschnittlich 12,3 Tage meldeten sich deutsche Arbeitnehmer krank – im Vorjahr waren es nur 11,7 Tage. Der Krankenstand in Unternehmen ist damit im ersten Halbjahr mit 4,4 Prozent auf einem Höchststand seit 20 Jahren. Der höchste Krankenstand von 5,1 Prozent stammt aus dem Jahr 1995.

Mehr als ein Drittel wurden im ersten Halbjahr krankgeschrieben

37 Prozent aller Berufstätigen wurde in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mindestens einmal krankgeschrieben. Im Vergleich zum Jahr 2015, wo der Krankenstand 0,3 Prozentpunkte tiefer lag, gab es in diesem Jahr allerdings nicht mal mehr eine starke Erkältungswelle. Vor allem die Zunahme von Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychischen Leiden führte zu einer Erhöhung des Krankenstandes. In diesen Bereichen stieg die Anzahl der Fehltage um jeweils 13 Prozent.

Durch Rückenleiden, psychische Krankheiten und Atemwegserkrankungen entstehen die meisten Fehltage. Während Männer häufiger als Frauen von Muskel-Skelett-Erkrankungen betroffen sind, ist dies bei Depressionen oder ähnlichen Erkrankungen genau andersherum. Frauen fielen aufgrund von Depressionen und Co. rund 35 Tage aus. Zum Vergleich: Bei Krebserkrankungen sind es 32 Tage.

Der Ausfall aufgrund von Atemwegserkrankungen ergatterte im Vorjahr einen größeren Stellenwert. Schuld dafür war eine starke Erkältungswelle. In diesem Jahr hingegen blieben wir verschont, sodass die Krankheitsausfälle im Bereich der Atemwegserkrankungen von 20,4 Prozent im Vorjahr auf 17,4 Prozent fielen. Auf dem vierten Platz liegen Verletzungen und Vergiftungen, auf Rang 5 folgen Krankheitstage aufgrund von Problemen mit dem Verdauungssystem. In den neuen Bundesländern liegt der Krankenstand bei 5,5 Prozent, in den alten bei 4,2.

Zusammenhang zwischen Konjunktur und Krankheitstagen

Die DAK sieht außerdem eine Verbindung zwischen der guten Konjunktur und dem Anstieg der Krankheitstage. Denn je sicherer sich Arbeitnehmer in ihrem Job fühlen würden, desto eher melden sie sich krank. Wie DAK-Sprecherin Dagmar Schramm bestätigt, sinke in der Regel dann der Krankenstand, wenn auch die Konjunktur schwächelt. Als weiteren Grund sieht die DAK-Gesundheit die Rationalisierung und den Personalabbau, weil der Mensch als solcher davon stärker belastet ist. Neben kurzfristigen psychologischen Problemen können sich hier auch langwierige Erkrankungen bilden.


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