Die Abfindung berechnen: So geht es richtig


Gehört eine Abfindung zu einer Kündigung dazu? Das denken viele. Doch es ist ein Mythos, dem sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer aufsitzen. Gekündigte haben bei weitem nicht immer einen Anspruch darauf. Nur teilweise ist eine Abfindung rechtlich notwendig, in anderen Fällen versuchen die Arbeitgeber, rechtliche Schritte zu vermeiden. Eine freiwillig gezahlte Abfindung (etwa im Aufhebungsvertrag) ergibt Sinn, um Maßnahmen wie Kündigungsschutzklagen zu vermeiden. Doch wie berechne ich als Arbeitgeber die richtige Höhe einer Abfindungszahlung?


Abfindungen berechnen Sie so:


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Wann ist eine Abfindung fällig?

Gesetzliche Ansprüche auf eine Abfindung entstehen nur aus bestimmten Kündigungsursachen. Das Arbeitsrecht schreibt im Kündigungsschutzgesetz (KSchG) zwei Gründe vor. Das wären auf der einen Seite betriebsbedingte Kündigungen (§ 1a). Auf der anderen Seite gibt es Fälle, in denen das Arbeitsverhältnis nicht mehr zumutbar ist. Außerdem gibt es im Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) den Paragraphen 113, der bei Kündigungen wegen Betriebsänderungen teilweise eine Abfindung vorschreibt.

Behalten Sie in der Frage nach Abfindungen die Tarifverträge im Auge. In Arbeitsvertrag und Betriebsvereinbarung ist es ebenfalls möglich, eine Abfindungszahlung im Voraus festzulegen. Leisten Sie grundsätzlich nach einer Kündigung eine Sonderzahlung, kann sich eine betriebliche Übung ergeben. Somit hat jeder im selben Fall einen Anspruch darauf.


Berechnen der Abfindung


Die verschiedenen Gründe für Abfindungen ergeben auch verschiedene Rechenwege. Kündigen Sie betriebsbedingt, ist die Rechnung vom Staat vorgegeben. Freiwillige Abfindungen legen Sie selbstständig fest. Landet eine Kündigung vor Gericht, kann es die Höhe der Zahlung bestimmen.
 

Abfindung bei betriebsbedingter Kündigung

Das Kündigungsschutzgesetz schreibt bei betriebsbedingter Kündigung den Weg für die Berechnung vor. Der Anspruch daraus heißt Regelsatz oder Regelabfindung. Um die Höhe zu ermitteln, multiplizieren Sie einfach das halbe Bruttomonatsgehalt des Arbeitnehmers mit den Beschäftigungsjahren in der Firma. Die Betriebszugehörigkeit runden Sie nach sechs Monaten auf ein ganzes Jahr auf.
 

Abfindung bei unzumutbaren Bedingungen

Ein Gericht kann feststellen, dass es für den Arbeitnehmer unzumutbar ist, das Arbeitsverhältnis fortzusetzen. Das kann nach einer sittenwidrigen Kündigung passieren. Tritt der Fall ein, urteilt das Gericht, dass der Arbeitgeber eine “angemessene” Abfindung zu zahlen hat.

Die Abfindungshöhe hängt vom Alter an. Unter 50-Jährige erhalten bis zu zwölf Monatsverdienste. Darüber gibt es bis zu 15 Monatsgehälter. Ist der Gekündigte über 55 Jahre alt, sind maximal 18 Monatsgehälter möglich. Dafür muss er 20 Jahre lang im Unternehmen gearbeitet haben und das Alter der Regelaltersrente unterschreiten.
 

Ein Monatsverdienst ist dabei die Summe, die dem Arbeitnehmer in dem Monat, in dem das Arbeitsverhältnis endet, zusteht.

Abfindung als Nachteilsausgleich

Ebenfalls legt ein Gericht eine Abfindung fest, wenn eine Betriebsänderung nicht rechtmäßig abläuft und in Kündigungen endet. Das ist der Fall, wenn der Chef ohne zwingenden Grund von einem Interessenausgleich abweicht. Betroffene Arbeitnehmer klagen dann vor dem Arbeitsgericht auf eine Entschädigung.

Das gilt auch für Fälle, in denen der Arbeitgeber gar keinen Interessenausgleich mit dem Betriebsrat versucht. Bei Kündigungen oder anderen wirtschaftlichen Nachteilen für Arbeitnehmer kann auch so ein Abfindungsanspruch entstehen. Für die Höhe gelten die gleichen Bedingungen wie im vorherigen Punkt “unzumutbare Bedingungen” (§ 10 KSchG).
 

Abfindung in Tarifvertrag und Sozialplan

Manche Tarifverträge sehen eine Abfindungszahlung vor. Haben Sie die Vorgaben für Ihre tarifgebundenen Arbeitnehmer also stets im Blick.

Kündigungen bei größeren Betriebsänderungen erfordern einen Sozialplan. Aus diesem entsteht in der Regel ein Anspruch auf eine Abfindung. Dabei ist die Höhe oder die Berechnung derer nicht festgelegt. Entscheidend sind soziale Belange der scheidenden Arbeitnehmer. Auch hier beziehen Sie Zugehörigkeit zum Betrieb, Gehalt und Alter mit ein. Beachten Sie den Gleichbehandlungsgrundsatz. Er greift auch bei Abfindungen und verhindert größere Diskrepanzen zwischen den vergleichbaren Leistungen.
 

Freiwillige Abfindung

Arbeitgeber zahlen manchmal eine Abfindung, obwohl der Gekündigte keinen Anspruch darauf hat. Das kann verschiedene Gründe haben.

So helfen sie möglicherweise dabei, langwierige Prozesse abzuwenden. Befürchten Sie, dass Ihr Noch-Angestellter sich gegen die Kündigung wehrt, verhandeln Sie mit ihm eine Sonderzahlung. Das kann der Fall sein, wenn er mit dem Kündigungsgrund nicht einverstanden ist, oder wenn Sie gar keinen Grund haben. Dann hoffen Sie darauf, dass die Abfindung den Arbeitnehmer zufriedenstellt.

Die Abfindungshöhe ist hier ohne rechtlichen Hintergrund und damit frei verhandelbar. Beachten Sie Bruttomonatsgehalt, Länge der Betriebszugehörigkeit und Alter. Es ist erlaubt und üblich, die Zahlung der Abfindung an Bedingungen zu knüpfen. Um also eine Kündigungsschutzklage abzuwenden, machen Sie die Abfindung davon abhängig, ob der Arbeitnehmer eine einreicht.

Ebenfalls möglich ist es natürlich, in einem Aufhebungsvertrag eine Abfindung festzulegen.
 


Abfindung: Steuern und Sozialversicherung

Der Staat behält die Einkommenssteuer beziehungsweise die Lohnsteuer von der Abfindung ein. Er lässt aber eine Möglichkeit offen, diese ein wenig zu reduzieren.

Empfänger versteuern Abfindungen nämlich mit einer komplizierten Formel, der sogenannten Fünftelregelung. Das geht so: Addieren Sie die durch fünf geteilte Abfindung zum Jahresgehalt und errechnen daraus die Steuer. Von diesem Ergebnis ziehen Sie die Steuerlast ab, die nur auf das Jahresgehalt anfällt und multiplizieren die Differenz mit fünf. Das ergibt aufgrund der Steuersätze eine etwas geringere Steuerzahlung, als wenn Sie die Steuer direkt von Abfindung plus Jahreslohn berechnen.

Sozialversicherungsbeiträge fallen nicht an. Es gibt aber eine Ausnahme, nämlich eine “unechte” Abfindung. Damit gelten Arbeitgeber Restansprüche ab. Das gilt als verdecktes Arbeitsentgelt und macht Beiträge in die Sozialversicherung zur Pflicht.
 


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